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Tagblatt Online, 13. Juli 2012 06:58:00

Fundus aus vier Jahrhunderten

Gemeindearchiv Fischingen Zoom

Aussortiert und neu geordnet. Simone Desiderato und Daniel Kauz gliedern das Archiv. Auf der linken Seite herrscht noch die bisherige offene Aufbewahrung, auf der rechten die neue Ordnung in grauen Kisten. (Bild: Reto Martin)

DUSSNANG. Die fünf Ortsgemeinden der Gemeinde Fischingen tragen zurzeit die Archive zusammen. Archivare sortieren aus und strukturieren die Akten neu. Sie treffen dabei auf Dokumente, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.

ERIKA PàL

Es müffelt nach Vergangenheit, und Papierberge stapeln sich schon am Treppenabsatz. Im Keller des Gemeindehauses Fischingen in Dussnang wird aufgeräumt. Sämtliche Archive der Ortsgemeinden Fischingen, Au, Tannegg, Oberwangen und Dussnang sollen künftig an einem Ort lagern. Doch für was der ganze Aufwand? «Mit der Archivierung müssen wir die Vorgabe des Staatsarchiv erfüllen», sagt Gemeindeammann Willy Nägeli. «Es gibt zwar keine Deadline, doch dieses Anliegen ist mir sehr wichtig. Es soll eine ordentliche Übersicht herrschen.»

Auf Archivierung spezialisiert

Für den strukturieren Überblick sorgt die Firma Fokus AG aus Zürich. Sie ist auf Reorganisationen im Archiv- und Registraturbereich spezialisiert. «Wir haben uns von Sirnach und Eschlikon Tips geben lassen, da diese Gemeinden die Archivierung bereits durchgeführt haben», erklärt Nägeli. «Darum ist die Wahl auch auf dieses Unternehmen gefallen.»

Sich im ganzen Dokumentendschungel nicht zu verlieren ist nicht ganz einfach. Die Firma Fokus AG ist erfahren, was den Kanton Thurgau anbelangt, und weiss, worauf zu achten ist. Simone Desiderato hat schon zehn solcher Gemeindearchivierungen hinter sich: «Das Archiv einer Gemeinde soll deren Verwaltung und Leben abbilden», sagt Desiderato.

Ordnung ins Chaos bringen

Als erstes verschafft sie sich mit ihrem Chef Daniel Kauz einen Überblick über alle Dokumente. Dabei gehen sie systematisch vor. Zunächst werden die Dokumente grob nach rechtlichen Einheiten vorsortiert. Manches kann direkt entsorgt werden, zum Beispiel Finanzbelege, die älter als zehn Jahre sind. Daraufhin wird der Bestand detailliert aufgearbeitet. Das heisst, alle Dokumente werden auf ihren Wert für die Verwaltung oder die historische Forschung hin bewertet. Was im einzelnen aufbewahrt werden muss und was nicht, ist von Gesetzes wegen nur grob geregelt. Für die Archivare bleibt damit ein gewisser Entscheidungsspielraum. Was die Verwaltung nicht mehr benötigt oder nicht als historisches Gut angesehen wird, wird entsorgt.

Genau gleich verfahren die Archivare mit den Dokumenten der früheren, heute nicht mehr existierenden, Ortsgemeinden. Dort stösst man allerdings auf Dokumente, die bis in 17. Jahrhundert zurückgehen. «Solche Bücher und Akten haben für die Gemeinde einen hohen Wert und werden aufbewahrt», erklärt Gemeindeammann Nägeli.

Sechs Monate Sortierarbeit

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Archivteile der Ortsgemeinden und der Munizipalgemeinde aufgearbeitet – es wartet die Archivierung der heutigen politischen Gemeinde Fischingen, die seit 1972 existiert. «Das ist der aktuellste und damit auch der grösste Bestand, den wir zu bewältigen haben. Zudem wächst er auch noch weiter an», sagt Desiderato. Insgesamt ist das Team während rund sechs Monaten im Keller des Gemeindehauses Fischingen mit der Archivierung beschäftigt. Das Entsorgen der alten Dokumente muss auf kürzestem Weg erledigt werden. Othmar Brühwiler, Chef der Werkbetriebe, überwacht den ganzen Entsorgungsprozess.

Die Kosten sind im Budget 2012 aufgeführt. «Total rechnen wir mit einem Kostenaufwand von 50 000 Franken», sagt Nägeli.





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