Tresor für einen Kreisel

RICKENBACH ⋅ Eine Sammelaktion hätte die Öffnung eines über hundertjährigen Tresors finanzieren sollen. Die Aktion floppte. Dennoch geben die Besitzer nicht auf.
08. September 2017, 07:19
Roland P. Poschung

Roland P. Poschung

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Aus der Bieridee von 2014 entstand bis heute kein Geldsegen für die Schatzjäger. Yves Senn, ­Bijoutier aus Ri­ckenbach, wollte mittels sogenanntem Crowdfunding die Öffnung eines einst für einen Franken auf Ricardo ­verramschten, 102-jährigen und fünf Tonnen schweren Tresors ­finanzieren.

Was mit viel Hoffnung und einem grossen Medieninteresse begann, ist nach dem inzwischen abgeschlossenen mehrmonatigen Crowdfunding auf der Internetplattform 100-days.net einer Ernüchterung gewichen.

Starke Medienpräsenz und viele Reaktionen

«Für uns ist es schon eine Enttäuschung, dass nicht mehr Leute dieser originellen Idee gefolgt sind und Geld lockermachten», sagt Yves Senn. «Wegen des schliesslich schweizweit enormen Medieninteressens hatten wir schon die Hoffnung, dass die notwendige Summe von 6000 Franken für die Öffnung des Tresors zusammenkommt. Jetzt sind neue Ideen gefragt.» Insgesamt kamen lediglich 315 Franken oder 5,2 Prozent der erforderlichen 6000 Franken zusammen. Die Internetplattform ­100-days.net schrieb nach Ablauf der ­Ausschreibung: «Leider hat es nicht ganz gereicht. Die Beiträge werden zurücküberwiesen.»

Spannend waren dennoch die Reaktionen. Yves Senn: «Viele Leute hatten uns einen Geldsegen gewünscht, aber ihnen fehlte auch der Mut, sich finanziell mit Risiko zu beteiligen. Dafür hatten wir zahlreiche Angebote von Personen, die den Antiktresor mit eigenen Werkzeugen öffnen und dafür viel Geld kassieren wollten.» Bereits früher hatten die Tresorbesitzer Erfahrungen mit Personen gemacht, die den Schrank aufbohren wollten. Doch die Geräte schraubten sich nur in eine Tiefe von zwei Zentimetern, dann blieb der Bohrer stecken.

Neue Aufbrechermethoden kündigten sich an: «Die Angebote kamen per Mail oder per Telefon zu uns. Ein Mann wollte es für 3000 Franken realisieren, eine weitere Person wünschte sich schon einmal vorab eine Zahlung von 2000 Franken. Da haben wir schnell abgewinkt. Später kam ein Angebot für noch 500 Franken», erinnert sich Yves Senn und fügt bei: «An einer Lösung sind wir weiterhin interessiert.» Nun zeichnen sich neue Wege ab.

Thurgauer Gratisangebot

Jüngst hat sich zudem eine Person aus der Thurgauer Baubranche gemeldet. «Mit grosser Freude haben wir dann ein spezielles Angebot erhalten. Der Mann teilte uns mit, dass er für diese Tresoröffnung kein Geld wolle, ihm gehe es darum, diese Herausforderung anzupacken und eine Lösung für die Entsorgung zu finden», betont Yves Senn. Mög­licherweise könnte der dann geöffnete Safe als Ausstellungsobjekt von Firmen genutzt werden. Yves Senn ruft zudem Gemeinden auf, sich zu melden, wenn sie den Tresor auf einem Strassenkreisel als originellen Blickfang aufstellen möchten.

Diesen oder kommenden Monat wollen die Schatzjäger einen neuen Versuch für eine Öffnung unternehmen. «Wir sind einfach gespannt, was darin gelagert wurde. Sind es Goldbarren, weil der Safe so schwer ist?» Yves Senn bleibt zuversichtlich.


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