Sein Lebenswerk steht im Keller

WALLENWIL ⋅ Paul Ryvola hat ein bewegtes Leben hinter sich. Seine grosse Leidenschaft ist in all den Jahren dieselbe geblieben: die Modelleisenbahn. Die Anlage des 88-Jährigen ist ein detailgetreues Abbild der Rhätischen Bahn.
15. September 2017, 07:05
Christoph Heer

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Geschichte nahm vor 80 Jahren ihren Anfang. Daraus ist bis heute wohl eine der eindrücklichsten Modelleisenbahnen in der Ostschweiz enstanden. Einen unermesslich grossen Aufwand hat der Wallenwiler Paul Ryvola betrieben, bis er seine Modelleisenbahn zum Laufen gebracht hat.

Seine Anlage besticht denn auch mit imposanten Zahlen: Auf einer Raumgrösse von knapp 5 auf 20 Metern fahren heute zwölf Zugskompositionen. 15 Lokomotiven ziehen 105 Personen- und Güterwaggons, die Schienenlänge beträgt 110 Meter, 21 Weichen und ebenso viele Lichtsignale stellen den Zugsverkehr sicher. Beleuchtet wird das Ganze durch 84 Led-Lämpchen und 91 Strassenlampen. Es ist ein Schauspiel, wenn die Modellanlage in abgedunkelter Atmosphäre in Betrieb ist.

Ein Virus seit acht Jahrzehnten

Für den 88-Jährigen ist die Modelleisenbahn mehr als nur sein Hobby. «Seit 80 Jahren ist das wie ein Virus in mir drin – eine Passion fürs Leben», sagt Paul Ryvola. Seine Augen glänzen und er kommt ins Schwärmen, wenn er darüber spricht. Zwischen Bergen und Tunneln, zwischen Bäumen und Häusern, alles eins zu eins nachgebaut. Zehn Jahre lang hat Paul Ryvola an seiner Modelleisenbahn gearbeitet. Entstanden ist die Route der Rhätischen Bahn entlang den Bahnhöfen Bergün, Muot und Surava.

Besonders stolz ist der Wallenwiler auf den Landwasserviadukt. «Der durfte auf keinen Fall fehlen. So fährt heute mein Bernina Express durch das Unesco-Welterbe.» Ein Zug ist auf dieser Rundstrecke, bei normalem Betrieb, rund 75 Minuten lang unterwegs. Paul Ryvola, der Bastler und Tüftler, hat die ganze Anlage eins zu eins erschaffen – will heissen, dass jedes kleinste Detail mit dem Original übereinstimmt.

«Ich bin die ganze Strecke zu Fuss abgelaufen, habe über 2000 Fotos geknipst, Notizen gemacht und mir Informationen, unter anderem bei Lokführern oder der Rhätischen Bahn, geholt», erzählt Paul Ryvola. «Wieder zu Hause im Keller habe ich dann das Ganze in filigraner Arbeit umgesetzt. Und manchmal kam es dann vor, dass mir ein Detail entgangen ist, dann machte ich mich tags darauf halt noch einmal auf den Weg ins Bündnerland und holte mir die fehlenden Infos.» So stehen auf seiner Anlage auch 256 Fahrzeuge, 94 Häuser, 555 Personen, 153 Tiere und 3500 Bäume, wie es sie genauso in Wirklichkeit auch gibt oder damals, als er vor Ort war, gegeben hat.

Interessierte sind willkommen

Die Modelleisenbahn von Paul Ryvola befindet sich an der Ris­pergstrasse 7. Er und seine Frau Ruth empfangen gerne Besucher und freuen sich, wenn sich Interessierte bei ihnen telefonisch erkundigen, um eine Besichtigung zu terminieren. Paul Ryvola ist unter den Gleichgesinnten kein unbeschriebenes Blatt, betrieb er doch in Wil jahrelang ein eigenes Geschäft für Modelleisenbahnen.

«1994 erreichte ich mein Pensionsalter und beschloss im Jahr darauf, mein Geschäft zu schliessen. Dass ich aber die Finger von meiner Passion nicht lassen konnte, sieht man in meinem Keller», sagt er mit einem Schmunzeln.


Leserkommentare

Anzeige: