Private Beistände sind unzufrieden

MÜNCHWILEN ⋅ Auf Einladung der SP des Bezirks präsentierte sich die Kesb Hinterthurgau. Die Stühle in der Villa Sutter reichten bei weitem nicht.
29. November 2017, 07:22
Ruth Bossert

Ruth Bossert

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Räumlichkeiten der Villa Sutter waren am Montagabend viel zu klein, um dem Grossaufmarsch der Besucher gerecht zu werden. Viele Interessierte mussten sich mit einem Stehplatz begnügen.

Seit Beginn stand die neue Institution unter höchster Beobachtung, erklärte René Ziörjen, Vizepräsident der Kesb Bezirk Münchwilen. Deshalb sei es wichtig, dass sich Interessierte aus erster Hand über die Arbeit informieren können und nicht bloss aus den Medien darüber erfahren. Mit Beispielen aus der Praxis liess er die Anwesenden teilhaben an Situationen, mit denen man sich tagtäglich auseinandersetze. Als langjähriger Sozialpädagoge und früherer Gemeinderat in Fischingen kenne er das frühere Vormundschaftswesen und arbeite seit dem Start in der Kesb mit. ­Ziörjen ist überzeugt, dass mit dem heutigen System genauer hingeschaut werde. Im neuen Gesetz bekämen Betroffene viel mehr Selbstbestimmung und die Solidarität der Familie werde gestärkt.

4000 laufende Massnahmen

Als Vorsteherin des Departementes für Justiz und Sicherheit erklärte Cornelia Komposch, dass sie 18 Jahre in einer Vormundschaftsbehörde mitgearbeitet habe. Bei der damaligen Einführung der Kesb sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen, weil sie die Verantwortung einer professionellen Behörde übergeben konnte. Bei dieser Umgestaltung sei hingegen kein Stein auf dem anderen geblieben, deshalb seien auch Fehler passiert, doch nicht mehr, als sie früher bei den Vormundschaftsbehörden auch passiert seien. Bei den fünf Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Thurgau laufe es sehr gut, anfängliche Schwierigkeiten wurden behoben, erklärte Komposch.

Die permanente Kritik einiger prominenter Gegner schade der Arbeit der Kesb. So sei es heute schwierig, gutes Fachpersonal zu gewinnen. «Wer will denn beruflich ständig im Fokus der Kritiker stehen?» Verschiedene Verbesserungen, die sowohl intern wie auch von der Politik gefordert wurden, seien bereits umgesetzt oder stünden noch kurz bevor. Die anfängliche Zurückhaltung bei den Arbeitsstellen beim Start habe man nach hartnäckigen Verhandlungen verbessern können. Auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden wurde verbessert. Im Kanton seien ständig ungefähr 4000 Massnahmen am Laufen, erklärte die Regierungsrätin und fügte bei, dass sich diese Zahl nicht vergrössert habe.

Auf die Frage nach der Kostenexplosion sagte Cornelia Komposch: «Ein Vergleich mit dem früheren Vormundschaftswesen ist nicht möglich. Die Arbeit der Kesb kostet den Kanton heute 5,6 Millionen Franken.»

Regierungsrätin nimmt Bitte auf

Ein anwesendes Ehepaar mit einem behinderten erwachsenen Sohn warf den Kesb-Verantwortlichen vor, dass Eltern von erwachsenen Behinderten einen viel grösseren Aufwand betreiben müssten als zuvor. Einen entsprechenden Antrag, den jährlichen Bericht nur alle zwei Jahre einreichen zu müssen, sei sowohl von der Kesb wie auch vom Obergericht abgelehnt worden. Für das Elternpaar ist es eine Ungerechtigkeit, dass Berufsbeistände nur alle zwei Jahre Bericht erstatten müssten und private Mandatsträger jährlich dazu verpflichtet seien.

Die Regierungsrätin bestätigt dem Votanten, dass sie seine Bitte gehört habe und sie weitertrage. Ziörjen bestätigt ebenfalls, dass für private Mandatsträger der Aufwand grösser geworden sei. Hingegen sei man dem Gesetz verpflichtet, um in jedem Fall die Kinder- und Erwachsenenschutzmassnahmen zu gewährleisten. Auch ein zweiter Votant monierte, dass private Beistände zu stark kontrolliert würden und dass individuelle Geldanlagen kaum mehr getätigt werden könnten. Ziörjen unterstrich, dass der Anlegerschutz höher bewertet werde und dass gewisse Einschränkungen bei Geldanlagen bestünden, zur Sicherheit der Schutzbeauftragten.


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