Kein zusätzliches Asylheim

ESCHLIKON ⋅ Der Gemeinderat verzichtet auf den Kauf einer Liegenschaft an der Bahnhofstrasse. Ob das Wohnhaus dennoch den Besitzer wechseln wird, ist noch offen.
26. September 2017, 07:37
Roman Scherrer

Roman Scherrer

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Über mehrere Monate hinweg verhandelte der Gemeinderat Eschlikon mit Vertretern des Schulheims Elgg. Gegenstand der Gespräche war die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 15 in Eschlikon, deren Kauf der Gemeinderat in Betracht gezogen hat. Nun hat die Behörde allerdings mitgeteilt, dass sie auf die Übernahme des Wohnhauses verzichtet.

Die Gemeinde ist bereits im Besitz des ehemaligen Pfarrhauses der Evangelischen Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon. Dieses liegt an der Bahnhofstrasse 17, unmittelbar neben der Liegenschaft des Schulheims Elgg, und wird als Unterkunft für Asylsuchende genutzt. Der Gemeinderat hat deshalb geprüft, ob diese bestehende Asyl-Unterkunft um das benachbarte Haus erweitert werden soll. «Kurzzeitig haben wir uns auch über andere Nutzungszwecke unterhalten, die zündende Idee ist uns aber nicht gekommen», sagt die zuständige Gemeinderätin Isabelle Denzler.

Die Unterkunft an der Bahnhofstrasse 17 ist zurzeit ausgelastet. «Wir haben aber seit mehr als einem Jahr keine höhere Zuweisungsquote bei den Asylsuchenden. Deshalb besteht für uns kein Bedarf an einer weiteren Liegenschaft», sagt Denzler zum Kaufverzicht. Laut dem Kanton muss Eschlikon auch in nächster Zeit nicht mit der Aufnahme von mehr Flüchtlingen rechnen. Zum Entscheid hätten zudem finanzielle Überlegungen beigetragen, wie der Gemeinderat in seiner Mitteilung schreibt.

Keinen Einfluss auf die Verhandlungen habe laut Denzler die aktuelle Situation in der Gemeinde Wilen gehabt. Dort hat die Gemeinde – mangels Alternativen – vom Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen nicht mehr benötigte Wohncontainer gekauft, um die Flüchtlinge unterzubringen. Nun sollten im Durchschnitt mindestens zehn Asylsuchende die neue Unterkunft bewohnen. Ansonsten ist der Ertrag aus der Pauschale, die der Kanton pro Asylsuchendem entrichtet, zu niedrig, um die Anlage zu finanzieren. Und der Steuerzahler müsste dafür aufkommen. Zurzeit sind Wilen nur sieben Flüchtlinge zugeteilt. Die Gemeinde möchte deshalb weitere übernehmen – aus dem ganzen Kanton.

Interessenten vorhanden

Ob das Haus an der Bahnhofstrasse 15 nach dem Kaufverzicht der Gemeinde nach wie vor veräussert werden soll, ist noch nicht entschieden. «Wir diskutieren das an der nächsten Heimvereinssitzung», sagt der Gesamtleiter des Schulheims Elgg, Werner Kuster. Zurzeit führt das Schulheim keine Verkaufsverhandlungen. Laut Kuster sind aber Interessenten vorhanden.

Das Haus an der Bahnhofstrasse nutzt das Schulheim derzeit als Wohngruppe für sieben Jugendliche, welche jeden Tag betreut werden.


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