Kein Strom aus dem Bach

AADORF ⋅ Das Wasserrad im Grüntal steht still. Das Getriebe ist gebrochen. Die Reparatur wird teuer. Doch die Solargenossenschaft will das Kleinkraftwerk weiterbetreiben.
22. November 2017, 07:09

Munter plätschert die Lützelmurg im Grüntal, einem beliebten Naherholungsgebiet der Aadorfer, über die Steine einer Fischtreppe. Doch Wasser, das sich rauschend über ein sich drehendes Wasserrad ergiesst, ist derzeit weder zu hören noch zu sehen.

Das Rad dreht sich nicht mehr, und dies schon seit anderthalb Monaten. Ganz zum Erstaunen vieler Passanten. Und zum Verdruss der Solargenossenschaft Aadorf, der Erbauerin und Besitzerin des Kleinkraftwerkes, für dessen Unterhalt Vereinsangehörige verantwortlich zeichnen. Was war geschehen?

Neues Getriebe wird anders konstruiert

Der pensionierte Schweissfach-Ingenieur Hansruedi Geiser, Mandatsträger für Kraftwerk- revisionen, erläutert die Sachlage: «Störungen kommen immer wieder vor, insbesondere bei hohem Wasserstand infolge intensiver Niederschläge. Stillstände konnten jedoch immer behoben werden.» Nicht dieses Mal. Vor anderthalb Monaten sei eine Havarie eingetreten, weil das Nabengetriebe gebrochen sei, was das Wasserrad vollständig blockierte. «Die ursprüngliche Bauweise, nämlich die einseitige Lagerung, war wohl nicht ideal und ist heute auch nicht mehr gängige Konstruktion. Aus diesem Grund ist vorgesehen, ein externes Getriebe zu installieren und dieses beidseitig zu lagern. Ein Auftrag für ein diesbezügliches Engineering-Projekt ist in Bearbeitung.» Die anfallenden Reparaturkosten dürften sich auf rund 50000 Franken belaufen, zu finanzieren aus Eigenmitteln. «Eine Stilllegung des Wasser- rades ist trotzdem kein Thema», versichert der Ettenhauser, der zusammen mit Urs Kressibucher für Pflege und Unterhalt des Bachabschnittes zuständig ist.

Strom für 15 bis 20 Haushalte

Auch wenn der Bau von Kleinkraftwerken nicht mehr ganz den Stellenwert wie einst einnimmt, so ist jenes im Grüntal unbestritten. Dies vor allem in energietechnischer Hinsicht. Seit 14 Jahren funktionierte das Wasserrad mehr oder weniger Tag und Nacht und lieferte in dieser Zeit 934159 Kilowattstunden Strom. Das macht im Jahr rund 70000 Kilowattstunden, was ausreicht, 15 bis 20 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Mit dem damaligen Bau ist auch das alte, vier Meter hohe Hindernis für Fische und viele andere Wasserlebewesen verschwunden und durch einen neu gestalteten Fischaufstieg ersetzt worden. Nostalgische Gefühle können beim Vorbeigehen wieder aufkommen, sobald sich das Rad wieder zu drehen beginnt. Wann dies der Fall sein wird, ist derzeit indes noch offen.

 

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch


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