Im Zeichen der Umstellung

WÄNGI ⋅ Die Gemeinde budgetiert ein Defizit von einer halben Million Franken. Der tiefe Steuerfuss soll dennoch bleiben – vorerst, wie der Gemeindepräsident betont.
21. November 2017, 07:26
Olaf Kühne

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch

Gleiche Ausgaben, gleicher Steuerfuss. Und doch ist alles ganz anders im Wängemer Gemeindebudget. Irgendwie. Vergangene Woche haben die Stimmbürger die Botschaft für die Gemeindeversammlung vom 7. Dezember erhalten. Schlanker, frischer, übersichtlicher kommt die Broschüre daher.

Das Kernthema der ganzen Neuerungen ist die Umstellung auf das neue Rechnungslegungsmodell HRM2. Ein Schritt, den alle Thurgauer Gemeinden per Ende Jahr vollziehen müssen. «Wir haben die Gelegenheit genutzt, auch gleich unsere Versammlungsbotschaft gänzlich neu zu gestalten», sagt Wängis Gemeindepräsident Thomas Goldinger.

Tatsächlich waren frühere Botschaften ein Zahlenfriedhof par excellence. Noch dazu im Format A5 gedruckt, waren im Budget selbst Hunderter-Beträge für beispielsweise Postgebühren oder Büromaterial abgedruckt. Eine vermeintliche Transparenz, welche es dem Stimmbürger nicht gerade erleichterte zu erkennen, worüber er eigentlich abstimmt.

Neu sind deshalb im Wängemer Budget nur noch die Hauptkonti dargestellt. «Wir haben aber nichts zu verbergen», betont Goldinger. «Wir haben das detaillierte Budget auf unserer Website aufgeschaltet.»

Vergleiche mit Vorjahr entfallen dieses Jahr

Auf eine gewisse Transparenz müssen die Stimmbürger indes nur in diesem Jahr verzichten. Der Wegfall der detaillierten Vergleiche mit dem Vorjahr ist just der Umstellung auf HRM2 geschuldet. «Im neuen Rechnungslegungsmodell haben sich zahlreiche Budgetposten in andere Konten oder gar in andere Kontengruppen verschoben», sagt Goldinger. «Das macht einen Vergleich mit früheren Jahren praktisch unmöglich.» Ein Vergleich, für viele Stimmbürger der wichtigste, bleibt hingegen ganz einfach: Wängi behält seinen Steuerfuss von 49 Prozent auch im kommenden Jahr.

Spezialfinanzierungen verschoben

Dabei erwirtschaftet die Gemeinde bei Ausgaben über knapp 14 Millionen Franken ein Defizit von 520000 Franken. Gedeckt wird dieses durch das Eigenkapital, welches seinerseits rund eine Million Franken grösser wurde – eine weitere Auswirkung der Umstellung auf HRM2. «Wir hatten in der Vergangenheit zahlreiche sogenannte Spezialfinanzierungen geäufnet», erklärt Goldinger die Verschiebung. «Das sind vor allem Rückstellungen für Projekte, die zwar irgendwann anstehen werden, aber noch nicht konkret, geschweige denn bewilligt sind.» Als Beispiel benennt der Gemeindepräsident die dereinst notwendige Sanierung des Gemeindehauses. HRM2 lässt solche Spezialfinanzierungen nun nicht mehr zu, das Geld fliesst ins Eigenkapital.

Ewig davon zehren kann und will der Wängemer Gemeinderat indes nicht. «Wir haben ein strukturelles Defizit zwischen 300000 und 400000 Franken», sagt Goldinger. «Bei gleichbleibenden Einnahmen und Ausgaben wird dereinst eine Steuererhöhung wohl ein Thema werden.» Ankündigen will der Gemeindepräsident den Schritt dennoch nicht. «Wir wollen zuerst schauen, wie sich die Buchhaltungsumstellung auf unsere diversen Kennzahlen auswirken wird.»

 

Hinweis

Die Wängemer Gemeindeversammlung findet am Donnerstag, 7. Dezember, ab 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle statt.


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