Hansdampf der Schützen

RICKENBACH ⋅ Nächsten Sommer wird der Hinterthurgau ein wichtiger Schauplatz des Schweizer Schiesssports sein. Charly Wirth ist zu grossen Teilen dafür verantwortlich. Dabei ist er eher zufällig zu der Sportart gekommen.
16. November 2017, 07:53
Urs Nobel

Urs Nobel

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

In Wil erinnert man sich gerne an das St. Galler Kantonalschützenfest 2014 in der Thurau. Schiesssport und Geselligkeit verbanden sich zu einem grossartigen Festanlass, von dem man nicht nur in Schützenkreisen heute noch ­gerne spricht. Bereits damals stand fest, dass in der Region schon bald wieder ein Kantonales durchgeführt wird. Nächstes Jahr das Thurgauer Kantonale im Hin­ter­thurgau mit dem Festzentrum in Sirnach.

Charly Wirth stiess vor vier Jahren bei seinen Schützenkollegen auf keine grosse Be­geis­terung, als er vorschlug, ein Kantonales dezentral an neun verschiedenen Orten durchzuführen. Trotzdem hat er sich an eine Machbarkeitsstudie gewagt und bei seinen Schützenkollegen die anfängliche Skepsis eliminieren können. «Aufgrund meiner Vorarbeiten kam bald schon einmal die Zustimmung. Die Idee stiess schnell einmal auf grossen Goodwill und es wurde ein OK gebildet. Wir konnten uns auf ausgezeichnete Unterlagen vom letzten Thurgauer Kantonalen 2013 in Diessenhofen stützen, benötigten aber fast vier Jahre, bis wir zum heutigen Zeitpunkt sagen dürfen, dass wir bereit sind.»

Vom freiwilligen Helfer zum «Chef intern»

Wenn Charly Wirth vom Schiesssport spricht, kommt er ins Schwärmen. Dabei ist er zufällig zu dieser Sportart gekommen. «Viele Jahre schoss ich nur das Obligatorische und beteiligte mich am Feldschiessen. Mehr wollte ich nicht.» Doch dann wurde er einmal von einem Mitglied der Feldschützen Rickenbach um Mithilfe bei der Organisation einer Veranstaltung angefragt. Seither wird er den Virus Schiesssport nicht mehr los. Aus eigenem Antrieb absolvierte er den Kurs zum Schützenmeister. Der Grund dazu war, dass er mit ansehen musste, wie die altersbedingte Nachfolgeregelung im Vorstand des Vereins nur harzig vorankam. Als sich dann die Schützen aus Wilen und Rickenbach zusammenschlossen und ihr neues Domizil in der Thurau bezogen, wurde Wirth «Chef ­intern». Bald schon kam der Kantonalverband auf ihn zu, ob er nicht bereit sei, im Kanton Thurgau die Schweizer Gruppenmeisterschaft zu organisieren. Was er dann auch machte. Mit dem Resultat, dass er 2013 in den Kantonalvorstand gewählt wurde und dort die Abteilung Gewehr leitet. Wirth ist für die Schützen zu einem richtigen «Hansdampf in allen Gassen» geworden.

Charly Wirth, der im April in zwei ­Jahren 60 wird, hatte früher eine andere Leidenschaft, nämlich den Motorsport. Vor allem die Sparte Motocross hatte es ihm an­getan. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass er der erste Schweizer gewesen sei, der in Brünn (Tschechien) ein Motocross organisiert und veranstaltet habe. Auch beim ­ersten Motocross in Braunau gehörte er zu den Mitorganisatoren. Sieben Jahre ist er selber gefahren, mit dem Seitenwagen auch auf der Strasse. Die Erfolge hielten sich allerdings im Rahmen. «Ich bin mitgefahren.»

Wirth ist zudem Gründer des Töff-Clubs Flawil, der zu den besten Zeiten gegen 850 Mitglieder zählte. Eine weitere Leidenschaft ist die Musik. Er spielt Bariton im Militärspiel Herisau und tritt bei Gelegenheit auch in einem Duo an Anlässen auf. Doch dafür hat er aktuell keine Zeit. Das Thurgauer Kantonale absorbiert seine gesamte Freizeit. Auch wenn der Schiessplan bereits steht, gibt es immer noch viel zu tun.

Hinweis

Alle Informationen zum Thurgauer Kantonalschützenfest sind unter www.tksf2018.ch zu finden.


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