Giraffen und Aschenfarben

MÜNCHWILEN ⋅ Der Frauenfelder Künstler Stefan Rutishauser ist von der Villa Sutter eingeladen worden. In Park, Villa und Jägerhaus zeigt er Neues aus seinen zwei Leidenschaften: Holzskulpturen und Malerei.
22. September 2017, 07:19
Dieter Langhart

Dieter Langhart

dieter.langhart@thurgauerzeitung.ch

Plötzlich hatte er unheimlich viel Holz. Stefan Rutishauser musste zwei Tannen im Familiengarten fällen lassen. Sie gaben Material für neue Skulpturen her und etwas Nahrung fürs Cheminée – und die Asche wurde gleich wieder zu einem Rohstoff. Denn ­Rutishauser mischt sie gern den Farben bei, mit denen er seine Bilder malt und sie so etwas dumpfer und stofflicher macht.

Ein gutes halbes Jahr hat er gesägt und gemalt und ist zufrieden. In der Villa Sutter und dem Jägerhaus zeigt Rutishauser die Bilder und kleinere Skulpturen, doch erst im Garten können die niederen Tische und hohen Stelen atmen und sich Raum und Himmel greifen.

Liegende und aufrechte Skulpturen und ein Tor

«Tanne ist kein optimales Holz», sagt der Frauenfelder Künstler. Er bevorzugt Birke, Apfel, Kirsche für seine Stelen – oder sind es vierbeinige, schlanke Wesen? «Träge Herden von Giraffen» nennt sie der Künstler. Sie erinnern an den Stamm, aus dem sie geschnitten wurden. Aber wenn sie liegen, werden sie zu flachen Tischen oder Bänken. Die Aufrechten stehen fast immer in Gruppen beieinander, wenige ­balancieren auf einem Tisch, einer auf einem Rahmen, der an ein Fussballtor erinnert. Meist weiss lasiert, bisweilen holt ein Orange die Kirsche hervor, andere tragen stumpfe Grün- oder Blautöne. Und vor der Villa kauert ein schwarzer Kurzfüssler.

Diese Farben finden sich auch in den Bildern wieder; nur das Blau hat er sich für eine zweite Ausstellung in Wil aufgespart.

Intensive Schaffens- und auch Leidenszeit

Stefan Rutishauser hat sich von den früheren Horizont-Bildern gelöst, doch schmale Streifen oben und manchmal auch unten erweisen ihnen Reverenz. Sand, Sägemehl und Asche brechen die Farben und verleihen den Bildern Tiefe und Rauheit. Verschiedene Formate in der Villa und dem Café kontrastieren mit der Einrichtung, das Jägerhaus haben sie und die filigranen Stelen für sich.

«Ich brauchte viel Zeit», sagt Stefan Rutishauser zur vergangenen Schaffenszeit. «Manchmal litt ich, weil ich nicht vorwärts kam.» Sechsundsiebzig Werke sind es nun geworden, zu denen sich vier frühere gesellen.


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