Ein museales Vermächtnis

WÄNGI ⋅ 46 Jahre lang war Ernst Trachsler Kurator des Ortsmuseums. Mit dem «Wängener Heft 5» setzt er der Einrichtung nun ein Denkmal. Morgen lädt die Stiftung zur Vernissage des Buches ein.
12. Januar 2018, 05:18
Olaf Kühne

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

Nein, Vermächtnis sei ein zu grosses Wort, gibt sich Ernst Trachsler bescheiden. Der langjährige Kurator des Wängemer Ortsmuseums hält das druckfrische «Wängener Heft 5» in der Hand – und kann dabei einen durchaus berechtigten Stolz doch nicht ganz verbergen. Mit seinen 272 Seiten ist das Heft ein veritables Buch geworden.

«Das Ortsmuseum Wängi 1960-2017» lautet sein trockener Titel, der indes auf den Punkt bringt, worum es geht. Ernst Trachsler und sein Co-Autor Ruedi Götz haben akribisch die Geschichte der Wängemer Institution aufgezeichnet, welche der heute 76-Jährige ein halbes Leben lang begleitete.

Geplant war das so nicht, erzählt Trachsler. «Ich war ein junger Lehrer mit langen Haaren, als 1964 Ernst Wiesmann, der Gründer des Ortsmuseums, verstarb.» Wiesmann war ebenfalls Lehrer und hatte das Museum im Keller des Steinlerschulhauses eingerichtet. «Ich habe es als Pflicht übernommen und hätte damals nie gedacht, dass es mich lebenslänglich begleiten würde.»

Kuratorium 2012 übergeben

Kurze Zeit nach der Übernahme begann Trachsler ein Studium der Erziehungswissenschaften. Im zweiten Nebenfach studierte er Kulturanthropologie und erwarb sich dabei Wissen, von dem er bis heute profitiert. Übergab er doch das Amt des Kurators zwar 2012 an Hansruedi Aeberhard. Doch das Kapitel Ortsmuseum war damit für Trachsler längst nicht abgeschlossen.

2015 begann er mit der Arbeit am «Wängener Heft». Dass dessen Erscheinen just auf den Beginn des Wängemer Jubiläumsjahres – die Gemeinde feiert heuer ihr 1200-jähriges Bestehen – fällt, bezeichnet Trachsler als glücklichen Zufall. «Das Heft erscheint seit 2008 in loser Reihenfolge, das letzte 2014», sagt er. «Wir wollten also sowieso wieder eines machen.» Als man dann realisiert habe, dass es zum Jubiläum passen könnte, habe man sich dann aber doch auf einen entsprechenden Erscheinungstermin konzentriert.

Das Resultat des Engagements wird nun morgen Samstag der Öffentlichkeit präsentiert – und es kann sich sehen lassen. Wie auch sein Sujet, das Ortsmuseum, präsentiert sich das Buch alles andere als angestaubt und geht auch weit über «Weisch no?»-Nostalgie hinaus. Zwar sei das Sammeln alter Gegenstände eine wichtige Aufgabe eines Ortsmuseums, erklärt Trachsler, wie auch das Konservieren und Inventarisieren. «Wir erhalten viele Objekte aus Nachlässen und Hausräumungen, wofür wir sehr dankbar sind», sagt er. Aber man wolle nicht einfach Altes anhäufen. «Uns interessiert immer die Geschichte eines Objektes, erst die macht es selber zu einem Teil der Geschichte.»

1000 Exemplare gedruckt

6000 solcher Objekte beherbergt das Ortsmuseum. Für das «Wängener Heft» hat der passionierte Fotograf Ruedi Götz viele von ihnen mit der Kamera festgehalten. Diese Bilder ergänzen sich im vorliegenden Buch hervorragend mit den zahlreichen historischen Fotografien und Abbildungen. Doch auch Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten kommen nicht zu kurz, sodass sich manche Wängemerin und mancher Wängemer im Buch wiederfinden dürfte.

1000 Exemplare liess die Stiftung Ortsmuseum Wängi drucken. «Eine mutige Auflage», gibt Trachsler unumwunden zu und schmunzelt. Die Frage, wie viele Stunden er und Ruedi Götz in das Werk investiert haben, beantwortet er schlicht mit «zahllose». Dabei sei ihm das Schreiben zwar leicht gefallen, aber: «Im letzten Detail steckt die meiste Arbeit.»

Tatsächlich findet sich auf den 272 Seiten kaum eine Abbildung ohne detaillierte Bildlegende, die allermeisten Personen sind benannt. So ist das Buch, auch wenn Trachsler es nicht Vermächtnis nennen mag, genau das geworden. Oder zumindest eine hervorragende Chronik eines halben Jahrhunderts der 1200-jährigen Geschichte Wängis.


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