Drei Zentimeter reichen

AADORF ⋅ Der Gemeinderat prüft eine Aufwertung und Neugestaltung der Bahnhofstrasse. Als Vorbild dient ihm die gleichnamige Strasse in Wallisellen. Dort konnte der Verkehr ohne Tempo-30-Zone verlangsamt werden.
28. September 2017, 07:43
Roman Scherrer

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Der Aadorfer Gemeinderat hat eine Besichtigung der Bahnhofstrasse in Wallisellen organisiert und dazu Interessierte und Anstösser der Bahnhofstrasse in ­Aadorf eingeladen. So reisten Mitte August rund 20 Personen von Aadorf in die Nachbar­gemeinde von Zürich. Vor Ort informierte der Gemeindepräsident von Wallisellen, Bernhard Krismer, über die vorgenommenen baulichen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung und Steigerung der Attraktivität im Zentrum.

Den Anstoss für den Besuch in Wallisellen hat indirekt das Behinderten-Gleichstellungsgesetz gegeben. Dieses verlangt, dass bis 2023 alle Bauten und Anlagen für den öffentlichen Verkehr behindertengerecht sein müssen. Die dafür notwendigen Sanierungen betreffen in erster Linie den Bahnhof und die Bushaltestelle an der Stationsstrasse. Unabhängig davon sind für die angrenzende Bahnhofstrasse ebenfalls Sanierungen geplant. Der Gemeinderat hat deshalb entschieden, diese Kantonsstrasse in die Planung der Massnahmen rund um den Bahnhof miteinzubeziehen. Weil es sich bei der Bahnhofstrasse eben um eine Kantonsstrasse handelt, wäre grundsätzlich auch der Kanton für deren Sanierung zuständig. Der Gemeinderat prüft derzeit jedoch, ob die Bahnhofstrasse vom Kanton über­nommen werden soll. «Wir stehen des­wegen bereits in Kontakt mit dem Kanton», sagt der ­Aadorfer Gemeindepräsident Matthias Küng.

An der Übernahme ist der Gemeinderat deshalb interessiert, weil er mit der Sanierung der Bahnhofstrasse eine Aufwertung des Ortskerns plant. «Auch Strassen sind öffentliche Räume und sollten dementsprechend ­attraktiv gestaltet sein», sagt Küng.

Mehr Platz für Parkplätze und Fussgänger

Konkret kann sich Matthias Küng vorstellen, dass an der Bahnhofstrasse in Aadorf ähnliche Massnahmen realisiert werden, wie beim Pendant in Wallisellen. Dort wurde unter anderem die Fahrbahn verengt, was mehr Platz für Parkplätze sowie Fussgänger- und Begegnungszone geschaffen hat. Diese Begegnungszone wurde nur drei Zentimeter höher gelegt als die Fahrbahn. Dadurch wird das Parkieren am Strassenrand vereinfach und der gesamte Strassenraum – Fahrbahn und Begegnungszone – wirkt wie ein einziger grosser Raum. Ausserdem wurde die Fahrbahn vor allem optisch verengt. So wird der Verkehr verlangsamt, ohne dass eine Tempo-30-Zone oder zusätzliche verkehrsberuhigende Bauten nötig sind. «Wenn es nicht sein muss, möchten wir ebenfalls kein Tempo 30 auf der Bahnhofstrasse einführen», sagt Küng. In anderen Hinterthurgauer Gemeinden ist Tempo 30 auf einer Hauptstrasse durchaus ein Thema. So plant etwa Münchwilen entsprechende Massnahmen (un­sere Zeitung berichtete).

Ähnliche Voraussetzungen

Ein Fachplaner, der mit der Gemeinde Aadorf zusammenarbeitet, hat den Gemeinderat auf die Bahnhofstrasse in Wallisellen aufmerksam gemacht. Er war selbst beteiligt am Projekt in der Zürcher Gemeinde. «Die Voraussetzungen waren dort ähnlich wie bei unserer Bahnhofstrasse. Beide Strassen werden täglich von 7000 bis 8000 Fahrzeugen befahren», sagt Matthias Küng.

Bevor die Bahnhofstrasse in Aadorf neu gestaltet werden könnte, müsste die Bevölkerung über die Übernahme vom Kanton abstimmen. Der Gemeinderat möchte deshalb möglichst transparent über die weiteren Schritte informieren. «Wir sind aber erst am Anfang der Planung. Wohin der Weg führt, ist zurzeit noch völlig offen», sagt Küng.


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