Die Hühner kommen mit

STANDORTWECHSEL ⋅ Das Zentrum Ranunkel zieht von Aadorf nach Wängi. Lange Zeit suchte der Verein vergeblich nach neuen Räumlichkeiten. Nun wurde er in der Zwirnerei Rosental fündig.
16. September 2017, 08:31
Olaf Kühne

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

Der Umzug geht nur in die Nachbargemeinde. Für das Zentrum Ranunkel ist er dennoch eine grosse Sache. Nur schon, weil damit für den Verein in Aadorf eine über 20-jährige Ära zu Ende geht. «Wir haben schon angefangen», sagt denn auch Ranunkel-Geschäftsführer Andreas Trachsel zu den Umzugsplänen des sozialen Unternehmens.

Ende März kommenden Jahres will das Ranunkel die Züglete in Aadorf abgeschlossen haben, Ende Mai 2018 will man dann fertig eingerichtet sein am neuen Standort. Und der kann sich sehen lassen: Das Zentrum Ranunkel zieht in die Zwirnerei Rosental in der Gemeinde Wängi; ein historischer Bau an der Wiler­strasse, unmittelbar vis-à-vis der Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn.

Aadorfer bewilligten 2014 Landverkauf

Damit kann Andreas Trachsel eine «lange und intensive Suche» abschliessen. Denn dass der Verein Ranunkel seine angestammten Lokalitäten an der Aadorfer Weiernstrasse verlassen muss, zeichnete sich vor über drei Jahren ab. Im Februar 2014 bewilligten die Aadorfer Stimmbürger den Verkauf zweier Parzellen an ein Immobilienunternehmen, welches bereits das angrenzende Hildebrand-Areal besass und dieses künftig mit Überbauungen nach Süden hin entwickeln will (unsere Zeitung berichtete).

«Aadorf ist ein guter Standort, wir wären gerne hier geblieben», sagt Andreas Trachsel. «Doch wir haben hier leider nichts gefunden.»

Mit dem Zentrum Ranunkel kommen acht Mitarbeiter, bis 60 Klienten, eine Werkstatt und ein Kreativatelier nach Rosental – und ein Brockenhaus. Die Strecke Frauenfeld–Wil mutiert damit zu einer eigentlichen Shopping-Meile für Brockiliebhaber. Stehen doch bereits in Münchwilen, Wängi und Matzingen Brockenhäuser.

Grössere Küche am neuen Standort

Und schliesslich ziehen auch die Legehennen weg von Aadorf. Sie liefern die Eier für den Verkauf – und für die Ranunkel-Küche, wie auch Kräuter und Gemüse aus dem eigenen Garten kommen. «Das wollen wir auch in Rosental so fortführen», sagt Andreas Trachsel. «Zudem können wir in der alten Zwirnerei eine grössere, professionellere Küche einbauen.» Dass dort gesund und ausgewogen gekocht wird, versteht Trachsel als Teil der Ranunkel-Philosophie. Sind doch die Klienten des Vereines nicht «nur» auf Arbeitssuche. Ranunkel betreut vom Lehrabbrecher über den Langzeitarbeitslosen bis hin zum Flüchtling die unterschiedlichsten Menschen – mit dem Ziel der beruflichen, sozialen oder auch kulturellen Integration. Ranunkel kann sich dabei auf derzeit sieben Trägergemeinden stützen: Aadorf, Fischingen, Gachnang, Matzingen, Sirnach, Wängi und bis Ende Jahr noch Eschlikon. «Wir arbeiten aber auch mit anderen Gemeinden und Privaten zusammen», ergänzt Trachsel, «auch über die Kantonsgrenzen hinweg.»

Für den Geschäftsführer ist es denn auch durchaus vorstellbar, dass sich durch den Umzug diesbezüglich neue Möglichkeiten eröffnen könnten. Schliesslich ist Rosental gänzlich anders als Aadorf mit dem öffentlichen Verkehr verbunden. Für Ranunkel-Klienten durchaus ein Kriterium.

Doch derzeit ist Andreas Trachsel mehr mit dem anstehenden Umzug beschäftigt. «In den kommenden zwei Monaten haben wir noch sehr viel Planungsarbeit», sagt er. Die Kosten für die Züglete und die Einrichtung am neuen Standort kann er noch nicht beziffern. «Ich rechne mit einem annähernd sechsstelligen Betrag.» Eine lohnende Investition, wenn Ranunkel auch in Rosental wieder Jahrzehnte wirken kann.

Infos zur Arbeit des Zentrums Ranunkel unter www.ranunkel.ch


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