Das Dorf ganz klein

DUSSNANG ⋅ Erich Kägi ist ein Original und weitherum bekannt. In den letzten zwei Jahren hat der Pensionär von seinem Dorf ein Relief gebaut. Zurzeit ist es in der Rehaklinik Kneipp-Hof ausgestellt.
07. Oktober 2017, 09:24
Christoph Heer

Jedes einzelne Haus, jeder Baum, jede Signalisierung, einfach alles ist eins zu eins nachgebildet. Wie das möglich wurde, erklärt der 70-jährige Relief-Erbauer Erich Kägi so: «Ohne den Erhalt der Karte aus der Güterzusammenlegung hätte ich gar nie begonnen, dieses Relief zu erschaffen. Der Dank gilt darum insbesondere einem Raumplanungs- und Ingenieurbüro mit Sitz in Sirnach. Dazu habe ich jedes einzelne Haus von jeder Seite her fotografiert, um es dann zu Hause genaustens zu kopieren, einfach 2000-mal kleiner», sagt Kägi. Ein schier unglaublicher Aufwand, den der sympathische Dussnanger betrieben hat. Zahlreiche Begegnungen kamen so zu Stande, «aber die Meisten kennen mich ja sowieso, darum spürte ich durchwegs Wohlwollen, als ich um die Häuser in Dussnang und Oberwangen geschlichen bin.» Als Zeitvertreib bewerkstelligte Kägi dieses ein Quadratmeter grosse Relief von Dussnang und Dorfteilen von Oberwangen. Für einige Wochen ist es nun in der Rehaklinik Kneipp-Hof Dussnang ausgestellt.

Weit über 1000 Stunden

Aus Holz hat er jedes einzelne Haus absolut detailgetreu nachgebildet. Ohne Fingerspitzengefühl wäre das nicht möglich gewesen. «Und mit zittrigen Händen sowieso nicht», sagt Kägi augenzwinkernd. Er ist bekannt für seine ruhige Art, obschon er äusserlich eher den Anschein eines kräftigen, stämmigen Mannes macht. Zwei Jahre lang war er fast jeden Tag etwa zwei bis drei Stunden an der Arbeit, was zusammengezählt weit über 1000 Stunden ergibt. «Manchmal, wenn ich dann mit der Geduld am Ende war oder etwas nicht ganz genau gelang, wünschte ich mir das Projekt in die Hölle. Aber nur kurz, und schon kam die Freude zurück.» Schliesslich wollte er etwas Angefangenes auch fertigbringen. Die Höhe des Tolenberges, die Abstände zwischen den Häusern, die drei Kirchen, alles steht auf dem Relief eins zu eins abgebildet, dementsprechend erntete Erich Kägi schon zahlreiche positive Rückmeldungen. Er gilt seit Jahrzehnten als Dorforiginal, nun hat er auch das Dorf original nachgebildet. Bis Ende September stand das Werk im Restaurant Sonnenhof, dessen Wirt Cello Manser bekräftigt, wie ungemein toll diese Nachahmung ankommt. «Die Kirchen, der Fussballplatz, der Kneipphof und vieles mehr wurden von meinen Gästen sofort erkannt. Und wenn man genauer hinschaut, werden auch die Waldwege und die vielen anderen Details ersichtlich.»

Bewunderung als Dank

Bescheiden, wie er ist, wollte Erich Kägi eigentlich gar nicht gross in der Zeitung erscheinen. Verdient hat er es jedoch, angesichts seines riesigen Aufwandes, den er für sein Relief betrieben hat. Es wird auch sein letztes Werk in dieser Richtung sein, aber neue Ideen für einen interessanten Zeitvertreib hegt er schon. «Irgendwas mit Holz wird es sein», sagt der ursprünglich gelernte Landwirt und Zimmermann. Als Wohltat empfindet er die vielen bewundernden Aussagen über sein Werk, «das ist der schönste Dank.» Nach seinen bewegten beruflichen Jahren – 22 Jahre lang wirtete er im damaligen Dussnanger Restaurant Ochsen – geniesst er seinen Ruhestand und dazu gehören immer wieder seine Partien Schach, «für mich eines der besten Hobbys.»

 

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch


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