Bunte Kostüme im Gepäck

SIRNACH ⋅ Nächste Woche fliegt Gian Cadonau vom Circus Balloni in die Türkei, wo er eine Zirkusschule für Flüchtlingskinder aus Syrien unterstützt. Vor zwei Jahren trat sein Vater die gleiche Reise an.
07. Februar 2018, 11:39
Roman Scherrer

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Am Montag ist Abflug: Zusammen mit dem Clown und Animator Kurt Bucher reist Gian Cadonau vom Circus Balloni für rund eine Woche in den Süden der Türkei. Allerdings nicht für Strandferien. Das Ziel des 26-Jährigen ist die Stadt Mardin, die nur wenige Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt liegt und zehntausende von kurdischen Flüchtlingen aus Syrien beherbergt. Dort betreibt die örtliche Hilfsorganisation «Her Yerde Sanat» vier Kulturzentren, in denen sie unter anderem eine Zirkusschule für die Flüchtlingskinder anbietet (siehe Kasten).

«Ich habe grosse Lust, mitzuhelfen und hoffe, dass ich bei den Kindern Freude verbreiten kann», sagt Gian. Er weiss zwar noch nicht, in welcher Form er genau mithelfen kann, ist aber voller Tatendrang. «Wo es mich braucht, helfe ich. Ich würde auch das Mittagessen ausschöpfen.» Als Zirkustechniker besitzt Gian ein Flair für Technik im Allgemeinen, das er womöglich in Mardin unter Beweis stellen kann. Mit im Gepäck wird er dutzende von bunten Clown-Kostümen für die Flüchtlingskinder haben, welche der Circus Balloni anlässlich der Reise gespendet erhielt. Auch Geld sammelt die Familie Cadonau. Dieses wird nicht etwa für Gians Reise – der Circus Balloni bezahlt sie aus der eigenen Kasse – verwendet, sondern kommt direkt dem Hilfsprojekt in Mardin zugute.

Auf die Idee, die Zirkusschule in Mardin zu besuchen ist Gian im Gespräch mit seinem Vater, Lucas Cadonau, gekommen. Vor rund zwei Jahren hat dieser die gleiche Reise angetreten und nachhaltige Eindrücke mit nach Hause genommen.

«Die Leute wollen zurück in ihre Heimat»

Eines der grössten Probleme sei, dass die örtlichen Schulen mit den vielen Flüchtlingskindern völlig überfordert sind. Die Kinder erhalten dadurch kaum Zugang zu Bildung. «Das sind mittlerweile sicher zwei, drei Jahre, welche die Kinder dort ausharren, ohne dass sie eine Schule besuchen.» Wie Lucas Cadonau bei seinem Aufenthalt erfuhr, haben die Flüchtlinge nicht vor, von Mardin weiter nach Europa zu ziehen. «Diese Leute wollen eigentlich nichts lieber, als in ihre syrische Heimat zurückkehren.»

Als er nach Mardin reiste, konnte Lucas Cadonau bereits viele Kostüme und eine Geldspende an «Her Yerde Sanat» übergeben und den Kindern in der Zirkusschule das eine oder andere beibringen. Auch sein Sohn würde nächste Woche gerne in einer Zirkus-Animation mitwirken. So oder so überwiegt bei Gian die Vorfreude auf seine Reise. «Natürlich habe ich auch etwas Respekt vor den Eindrücken, die mich erwarten. Angst habe ich aber nicht.»

Zirkus mit sozialem Engagement

Gemeinsam mit Freunden gründete Pinar Demiral in Mardin die Hilfsorganisation «Her Yerde Sanat» für die Flüchtlingskinder. Die Organisation ist in den letzten zwei Jahren gewachsen. Sie betreibt mittlerweile ein eigenes Flüchtlingslager und vier Kulturzentren. In diesen Zentren bietet sie rund 600 Kindernan fünf Tagen pro Woche Schulunterricht und Unterhaltung in Form einer Zirkusschule. Ausserdem erhalten die Kinder dort jeweils ein Mittagessen. Im März startet «Her Yerde Sanat» einen mobilen Zirkus. Dabei wird die Zirkusschule verschiedene Dörfer an der syrisch-türkischen Grenze mit einem Bus besuchen.

Mit dem Besuch von Gian Cadonau in Mardin will der Circus Balloni sein soziales Engagement ausbauen. Laut Lucas Cadonau überlege man sich gar, das Engagement zu institutionalisieren und zu diesem Zweck eine eigene Stiftung zu gründen. (rsc) Spenden Für die Flüchtlingskinder in Mardin nimmt der Circus Balloni gerne Spenden in Form von Clown-Kostümen und Geld entgegen. Letzteres kann mit Vermerk «Mardin» auf das Konto mit der Nummer CH33 8132 0000 0033 0663 6 an die Circus Balloni GmbH, 8370 Sirnach überwiesen werden.


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