«Wir reden hier vom VPM»

MÜNCHWILEN. Der Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis löste sich 2002 auf. Seither macht er sich im Hinterthurgau breit, ist Hugo Stamm überzeugt. Aggressive Flugblätter und bizarre Auftritte stützen seine These.
14. Juni 2013, 06:43
OLAF KÜHNE

Gehässige Flugblätter und Fundamentalkritik an pädagogischen Methoden und einzelnen Behördenmitgliedern sind in einigen Hinterthurgauer Schulgemeinden keine Seltenheit mehr. Jüngstes Opfer ist die Eschliker Schulpräsidentin Susanna Koller. Vier Personen griffen sie kurz vor den letzten Gesamterneuerungswahlen unter dem bezeichnenden Titel «Arbeitsgruppe Schulfreunde» massiv an.

Koller war denn auch eine von acht Hinterthurgauer Schulpräsidenten und Gemeindeammännern, die am Mittwochabend zu einem Referat des Journalisten und Sektenexperten Hugo Stamm eingeladen hatten. «Anonyme Flugblätter, Angriffe auf Behörden, Polemik: Wer steckt dahinter?» lautete der Titel des Vortrages in der Münchwiler Aula Oberhofen.

Zurück nach Dussnang

«Wir reden hier vom VPM», kam Stamm sofort auf den Punkt und meinte damit den Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis. Die sektenähnliche Zürcher Vereinigung am rechten politischen Rand rekrutierte ihre Mitglieder vorwiegend aus Akademikerkreisen und bekämpfte – vor allem im pädagogischen Bereich – alles in ihren Augen «Linke» mit äusserster Vehemenz. 2002 löste sie sich auf.

«Die damalige starke Frau des VPM, Annemarie Buchholz-Kaiser, flüchtete aus dem für sie links unterwanderten Zürich in ihre alte Heimat Dussnang», war sich Stamm während seines Referates sicher. «Und ihre Anhänger zogen ihr sukzessive nach.»

Im Gegensatz zu früher agieren die VPM-Anhänger heute ruhiger und zurückhaltender, so Stamm weiter. Der Fanatismus und die Überzeugung, die einzige Wahrheit zu kennen, seien aber immer noch gleich. So auch der Glaube, dass der Mensch heute durch falsche Erziehung und moderne Pädagogik fehlgeleitet sei und deshalb das Zusammenleben in der Gesellschaft nicht mehr funktioniere.

In Dialog treten?

«Zum Heilsanspruch der VPM-Leute ist im Laufe der vergangenen Jahre bei vielen auch noch eine Angst vor der grossen Welt wie beispielsweise vor der in ihren Augen bösen EU gekommen», erklärte Stamm die Stadtflucht weiter. «Sie widmeten sich deshalb auch dem Biolandbau und legten eigene Vorräte an, damit sie niemand vergiften kann.» Mehrheitlich suchen sie auch weniger die grosse Politik, obwohl es auch hier Ausnahmen gebe. So sei 2003 die sogenannte Maulkorb-Initiative von einer der zahlreichen Nachfolgeorganisationen des VPM lanciert worden, dem Verein Bürger für Bürger, der bezeichnenderweise 2002 nur drei Monate nach der VPM-Auflösung gegründet wurde. Auch stamme das drogenpolitische Konzept der SVP weitgehend aus VPM-Feder.

Wie man denn nun mit den VPMlern in einen Dialog treten könne, wollte Schulpräsidentin Koller in der anschliessenden Fragerunde wissen. «Schwierig», antwortete Stamm. «Dialog setzt die Bereitschaft voraus, Argumente zu prüfen. VPM-Anhänger gehen aber Kompromisse bestenfalls aus taktischen Gründen ein.»

Beat Imhof, Schulpräsident in Bichelsee-Balterswil, liess nicht locker. Er wollte wissen, wie es im Hinterthurgau weitergehe. «Wenn ein VPMler in ein Gremium gewählt wird, muss die Restbehörde zusammenstehen, der Person Grenzen aufzeigen, sie aber auch integrieren», meinte Stamm. Schliesslich sei es grundsätzlich legitim und lobenswert, sich in einer Behörde oder in einem Verein zu engagieren.


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