Fische sterben wegen eines Schachtdeckels

AADORF ⋅ Aus einem verstopften Kanal fliesst Abwasser in die Lützelmurg. Für das Leben im betroffenen Bachabschnitt ist die Verschmutzung eine Katastrophe.
06. Januar 2017, 07:19
Olaf Kühne

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch

Das Jahr hätte kaum schlechter beginnen können für die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbandes Lützelmurgtal. «Wir erhielten die Meldung am Abend des Neujahrstages», sagt Präsident Bruno Lüscher.

Passiert sein muss es irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr: Beim sogenannten Hochwasserentlastungsbauwerk südlich des Aadorfer Bahnhofes war ein Kanal des Abwasserzweckverbandes verstopft, das Abwasser gelangte während mehrerer Tage in die Lützelmurg. Gemäss ersten Schätzungen starben dabei im betroffenen Abschnitt des Baches drei Viertel der Fische. Der Laich in der Bachsohle sowie Krebse und Kleinlebewesen seien dem stark belasteten Wasser gar vollständig zum Opfer gefallen, berichtet Lüscher.

Ein Provisorium aus dem Strassenbau

Am Abend des 1. Januar und während des ganzen Folgetages waren Mitarbeiter des Werkhofes, der Fischereiaufsicht und des Umweltamtes, die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbandes und Mitglieder der Fischpachtgruppe damit beschäftigt, den Schaden in Grenzen zu halten. Selbst gestern Nachmittag noch saugten zwei Landwirte mit ihren Druckfässern das kontaminierte Material aus der Lützelmurg und führten es anschliessend in die Abwasserreinigungsanlage (ARA).

Verstopft hatte den Kanal eine Schachtabdeckung aus Aluminium. «Das ist ein Provisorium, welches im Strassenbau verwendet wird», erklärt Lüscher. Wie es in den Kanal gelangt sein könnte, werde derzeit untersucht. So könne auch eine vorsätzliche Tat nicht ausgeschlossen werden, die Polizei habe einen Rapport erstellt. Schliesslich handle es sich bei Gewässerverschmutzung um ein Offizialdelikt, so Lüscher. Eine andere Ursache für die Verstopfung als die Schachtabdeckung schliesst er aus. Zwar komme es immer wieder mal vor, dass ein grösseres Stück Holz oder ähnliches in den Kanal gelange – aber: «Mitarbeiter des Aadorfer Werkhofes haben den Kanal Anfang Dezember gereinigt.»

Auch wenn die Untersuchung noch längst nicht abgeschlossen ist, sagt Lüscher: «Der Abwasserzweckverband Lützelmurgtal bedauert den Vorfall ausserordentlich und übernimmt die volle Verantwortung.» Zwar habe man eine Versicherung, um den Schaden zu beziffern, sei es aber noch zu früh.

Die Wiederansiedlung von Leben im betroffenen Abschnitt wird nun über die nächsten Monate oder gar Jahre von Fachleuten betreut.


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