Die schreibende Problemlöserin

Jahrelang hat Sabine Ibing aus Aadorf als Sozialpädagogin und Erwachsenenbildnerin gearbeitet. Durch Zufall bekam sie die Gelegenheit, eine Kurzgeschichte in einer Zeitung zu veröffentlichen. Nun hat sie ihr zweites Buch geschrieben.
28. August 2014, 02:37
STEFAN ETTER

AADORF. Sabine Ibing aus Aadorf ist leidenschaftliche Schriftstellerin. «Ich schreibe überall und habe stets ein Notizbuch bei mir. So kann ich alles schriftlich festhalten.» Nun hat sie ein neues Buch veröffentlicht: «Zenissimos Jagd». Die Geschichte handelt von Jeremias, der während seiner Ferien auf Teneriffa zufällig seine Exfreundin Carina entdeckt, die er eigentlich vergessen will. Doch statt ihr aus dem Weg zu gehen, entwickelt er sich zu einem Stalker, der im verborgenen einen Racheplan schmiedet. «Damit will er sie psychisch fertigmachen.»

Als Sozialpädagogin geprägt

Diese Geschichte um einen Mann, der sich mit psychologischen und zwischenmenschlichen Problemen herumschlägt, kommt nicht von ungefähr. Denn Ibing, die ursprünglich aus Hannover stammt, war fast ihr ganzes Leben als Sozialarbeiterin, als Sozialpädagogin und in der Erwachsenenbildung tätig. «Bei meiner Arbeit musste ich das Denken und das Verhalten meiner Klienten verstehen, die oft unter psychischen Problemen litten.» Das habe sie dadurch erreicht, dass sie sich auf ihre Klienten einliess und sich in sie hineinversetzte.

Über 20 Jahre lang hat sie in Deutschland mit jungen Erwachsenen zusammengearbeitet und ihnen unter anderem geholfen, den Schulabschluss zu erreichen. «Darunter waren viele Migranten, die zu Hause Stresssituationen bewältigen mussten.» Dies, weil deren Eltern oft ihre Mentalität aus ihrem Heimatland beibehielten, die Kinder sich jedoch an die hiesigen Gepflogenheiten anpassten. «Ich agierte als Vermittlerin.» Bei ihrer Arbeit als Sozialpädagogin habe sie auch viele Stalking-Opfer beraten, die Todesängste durchgestanden hätten. «Die Arbeit mit Menschen hat mich stark geprägt – mit allen Schattierungen.»

Spätzünder auf Teneriffa

Sabine Ibing hat spät begonnen, Bücher zu schreiben – Ende der 90er-Jahre. Damals lebte sie während vier Jahren auf der Ferieninsel Teneriffa und schrieb unter anderem für eine Gratiszeitung Restauranttips und berichtete über das aktuelle Geschehen auf der Insel. «Das war die Zeit, als die ersten Chats auftauchten, aber nur wenige einen Internetanschluss hatten.» Sie habe sich regelmässig in einer dieser «virtuellen Kneipen» mit Menschen aus aller Welt unterhalten. «Es ist irrsinnig, wie sich Menschen innert kurzer Zeit verliebten und von Heirat sprachen, ohne sich selber gesehen, gehört und gerochen zu haben.»

Schliesslich wurde sie von einem österreichischen Journalisten beauftragt, eine Kurzgeschichte über Chats zu schreiben. Sie sagte zu. «Es juckte mich in den Fingern, mich ein wenig über die Naivität der Menschen lustig zu machen.» Die Geschichte wurde veröffentlicht – und stiess auf grossen Anklang. «Einige Leser fragten, wo man den Roman kaufen könne», sagt Ibing, die selber gerne politische Thriller und Krimis liest.

Liebe im Chat

So entstand auf Teneriffa ihr Erstling «Chatlove», der sich wie auch ihr zweites Buch um Beziehungsprobleme und Stalking dreht. Es erschien 1999 in Deutschland, als sie Spanien verliess und in Frankfurt während mehrerer Jahre ein Büro für Erwachsenenbildung leitete. «Mein ganzes Berufsleben lang habe ich mit Menschen zu tun gehabt, die psychische Probleme hatten.» Dadurch habe sie viel berufliche Erfahrung in ihre Bücher hineinpacken können.

Seit 2011 lebt Sabine Ibing in Aadorf. «Die Liebe hat mich hierher geführt.» Hier bietet sie mit ihrem Mann Ernährungsberatungen an – für Sportler, Übergewichtige oder Menschen mit Stoffwechselstörungen. «Zusammen mit Psychologie ein Nebenfach meines Studiums.» Reich werde sie durch das Schreiben nicht. «Aber ein Schriftsteller schreibt, weil er schreiben muss.» So befindet sich ihr drittes Buch bereits in der Pipeline. Die Geschichte drehe sich um einen Narzissten, der keine Gefühle für andere Menschen habe. «Doch dieses Buch ist humorvoller als die beiden anderen.»


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