Zusammen ist man weniger allein

FRAUENFELD ⋅ Seit einem Jahr gibt es an der Bahnhofstrasse Coworking-Büros. Gut 30 Personen nutzen die Räume regelmässig. Für den Anfang ist Initiantin Regine Siegenthaler zufrieden, doch es hat noch freie Kapazitäten.
23. November 2017, 08:11
Stefan Hilzinger

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Mit Tunnelblick und Kopfhörern auf den Ohren bis zum Morgengrauen programmieren. Das ist Guy Collés Welt und die seiner vier Mitarbeiter – eigentlich. Doch für einmal steht der 40-jährige Software-Entwickler mit einem Glas in der Hand im Kreis und erklärt den Besuchern, was seine Firma so macht. Gestern feierten er und weitere Nutzer von Coworking Frauenfeld den ersten Geburtstag der Bürogemeinschaft. «Immer dienstags sind wir sicher alle hier, ansonsten arbeiten wir, wo es gerade sein muss.» Das sei auswärts bei Kunden «oder auch mal an einem Tisch in der Raststätte Kempt-thal». Collés Firma entwickelt im Auftrag von Werbeagenturen Web-Anwendungen. «Der Vorteil hier ist, dass wir arbeiten können, wann immer wir wollen.»
 

Flexibel nutzbare Räume und Platz für Networking

Hinter Coworking Frauenfeld steht Regine Siegenthaler. Sie hatte die Idee dazu und hat diese, auch mit Unterstützung der Stadt, umgesetzt. Die Büros und Gemeinschaftsräume an der Bahnhofstrasse 58 befinden sich in einer städtischen Liegenschaft. «Die Nutzung des Angebots entwickelt sich in meinen Augen positiv», sagt Siegenthaler, die zu 50 Prozent beim Kanton als Juristin arbeitet. Coworking Frauenfeld betreibt sie als Einzelfirma. Sie ist Geschäftsführerin, bislang im Gotteslohn. Ein Förderverein unterstützt sie bei der Suche nach Sponsoren.

Im ersten Jahr nutzten elf ­Personen die Räumlichkeiten fix, weitere 20 arbeiteten sporadisch an einem der Arbeitsplätze. «Wir haben noch freie Kapazitäten. Engpässe gab es bisher noch nicht.» Eine sichere Einnahmequelle sind die untervermieteten Büros, eines davon belegt der ­Tageselternverein. «Firmen und Vereine haben unseren Besprechungsraum entdeckt, den sie gerne für ungestörte Sitzung und Schulungen nutzen.» Coworking Frauenfeld soll nicht nur flexibel nutzbaren Arbeitsraum bieten, sondern auch ein Ort des Austausches und des Netzwerkens sein. Auch hier haben sich Siegenthalers Erwartungen erfüllt, wie sich am Jubiläumsschmaus gestern über Mittag exemplarisch zeigt.

Ein Nutzer der allerersten Stunde ist Marcel Thoutberger aus Gachnang. Der 44-Jährige ist Geschäftsführer des Schweizer Ablegers der polnischen Firma Optibuy, die im weltweiten ­Beschaffungswesen tätig ist. Sein Team bearbeitet von Frauenfeld aus die Deutschschweiz. «Ich schätze die gelassene Stimmung hier abseits der Hektik. Das schafft Platz für gute Idee.»

Coworker bringen üblicherweise ihre Laptops mit. Eliane Stucki jedoch hat sich einen Arbeitsplatz mit grossem Bildschirm fix eingerichtet. Aus dem Simmental ist die 28-Jährige vor einigen Jahren nach Frauenfeld gezogen. Bis März dieses Jahres pendelte sie täglich nach Zürich zu ihrem Arbeitgeber, seither noch einmal pro Woche. Sie hat sich fest in der Bürogemeinschaft eingemietet. Die Kosten trägt sie selbst. «Mir ist ein Arbeitsweg von fünf Minuten und drei Stunden mehr Freizeit täglich lieber als drei Stunden Arbeitsweg», sagt sie. Als Projektleiterin einer Kommunikationsagentur gestaltet sie aktuell das 50-Jahr-Jubiläum von «Special Olympics», der Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung.

Vom 31. Mai auf den 1. Juni 2018 veranstaltet Coworking Frauenfeld «24 Stunden der offenen Türen». Infos rechtzeitig unter www.coworkingfrauenfeld.ch.


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