Zurück in den Arbeitsalltag

FRAUENFELD ⋅ Ende Woche eröffnet das Ristorante Cittadella. Nebst italienischem Essen wird es dort künftig das Reintegrationsprogramm Gastro-ABC geben. Es ermöglicht Langzeitarbeitslosen eine Ausbildung.
03. Oktober 2017, 09:29
Rahel Haag

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Draussen steht ein Maler auf einer Leiter, die Fassade bekommt einen neuen Anstrich. Drinnen scheint dasselbe geschehen zu sein, es riecht nach Farbe. Noch herrscht im Innern des Ristorante Cittadella an der Freie Strasse ein Durcheinander. Einige Tische und Stühle sind zur Seite geräumt, dazwischen stehen Trittleitern und allerlei Handwerkerutensilien. In der hinteren Ecke hat sich Roman Sturzenegger ein provisorisches Büro eingerichtet. Er sitzt vor seinem Laptop, zu seinen Füssen liegt ein grosser Hund. Der hebt den Kopf und bellt. «Er tut nichts», sagt Sturzenegger noch, bevor er sein klingelndes Handy zum Schweigen bringt, indem er den Anruf entgegennimmt.

Eigentlich arbeitet Roman Sturzenegger im Restaurant Traube in Neukirch-Egnach. Der langjährige Gastronom ist seit zwei Jahren als Programmleiter des Integrationsprogramms Gastro-ABC (siehe Kasten) tätig. In dieser Zeit konnte er zwischen 120 und 130 Klienten erfolgreich vermitteln. Nun wird das Programm auch im Ristorante Cittadella lanciert. Vorerst wird es durch Sturzenegger umgesetzt. Anfang Dezember übernimmt Thomas Albrecher die Leitung. Er ist in der Gastronomie grossgeworden. Die beiden Männer sind befreundet. So kam die Zusammenarbeit überhaupt zustande. «Thomas ist genau der Richtige für diesen Job», sagt Sturzenegger. Albrecher selbst hat vor allem der soziale Aspekt bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen. «Mein Ziel ist es, den Klienten eine Perspektive zu bieten.»

Einheimische sollen im Fokus stehen

Während in der «Traube» ausschliesslich mit Flüchtlingen gearbeitet wird, soll der Fokus in Frauenfeld auf Menschen aus der Region liegen, die – «aus welchen Gründen auch immer» – nicht die Möglichkeit hatten, eine Ausbildung zu absolvieren, wie Sturzenegger sagt. Als Beispiel nennt er Jugendliche, die bei der Suche nach einer Lehrstelle unterstützt werden, da sie zuvor während mehrerer Jahre keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. So gesehen handle es sich um ein neues Projekt, das zuerst entstehen müsse. «Für mich ist es spannend, an diesem Prozess mitzuarbeiten», sagt Albrecher.

Die Klienten werden dem Programm durch das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum und das Sozialamt zugewiesen. Sie beteiligen sich auch finanziell an den Kosten des Programms. Wie hoch diese im Einzelnen ausfallen, wollen die Verantwortlichen nicht kommunizieren. «Im Schnitt bleiben die Klienten vier bis fünf Monate», sagt Sturzenegger. «Anschliessend treten sie eine Festanstellung an.» In Frauenfeld werde das ähnlich aus­sehen. «Bei unserem Programm wird jeweils individuell auf die Bedürfnisse der Klienten eingegangen und geschaut, welche Angebote sie benötigen.»

Bald schon werden die ersten Klienten im Ristorante Cittadella ausgebildet. «Nach der Teamfindung und dem Aufbau der Strukturen», sagt Sturzenegger, denn zuerst müsse sich das fünfköpfige Team, das er zusammengestellt habe, einarbeiten. «Das wird wohl zwei Monate dauern.»

Neueröffnung

Am Freitag, 6. Oktober, öffentlicher Apéro ab 17 Uhr. Betrieb ab Dienstag, 10. Oktober.


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