Zsa-Zsa Gabor und der Sandstein-Tresor

FRAUENFELD ⋅ Die Schweizer Grossbank Credit Suisse ist seit hundert Jahren in der Kantonshauptstadt vertreten – und immer noch im gleichen Altstadtpalais daheim. Die Geschichte der «Palme» und der «Krone» ist bewegt. Das Jubiläum wurde am Dienstag gefeiert.
05. Oktober 2017, 05:18
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Es fehlt keiner. Wie schon früher im «Hôtel de la Couronne». Heidi Grau als höchste Thurgauerin ist dabei, mit Gemeinderatspräsidentin Susanna Dreyer auch die höchste Frauenfelderin. Weiter sind Regierungspräsidentin Carmen Haag und Stadtpräsident Anders Stokholm zu Gast, Bürgerpräsident Titus Moser, Stadträtin Elsbeth Aepli, die Stadträte Ruedi Huber und Urs Müller, der Thurgauer Gewerbeverbandspräsident und designierte Nationalrat Hansjörg Brunner, Frauenfelds höchster Gewerbler Urs Schönholzer, Daniel Wessner, Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, alt Ständerat Philipp Stähelin, Hanspeter Kanz als Präsident des Quartiervereins Vorstadt, IG-Fit-Präsidentin Elisabeth Steiner, TZ-Chefredaktor David Angst und etliche CS-Kaderleute. Die Credit Suisse hat am Dienstagabend zum 100-Jahr-Jubiläum an den Bankplatz geladen.

Als die Filiale am 2. Januar 1917 öffnete, hiess die Bank noch Schweizerische Kreditanstalt (SKA). Im gleichen Jahr gab es auch Geschäftsstellen in Weinfelden, Kreuzlingen und Romanshorn. Dem ging voran, dass die Schweizerische Boden-Kreditanstalt 1913 die Thurgauer Hypothekenbank geschluckt hatte. Das Handelsgeschäft aus dieser Übernahme ging an die SKA.

25 Personen arbeiten heute in der Bank am Bankplatz

Obschon es im Sommer unter dem Dach sehr heiss wird: Es mache ihn stolz, in einem solch geschichtsträchtigen Haus arbeiten zu können, sagt der Frauenfelder Geschäftsstellenleiter Hans-Jörg Nef. Heute heisst sein Arbeitgeber Credit Suisse, und es arbeiten 25 Personen am Bankplatz 3. In jüngerer Vergangenheit sei der Standort sogar gewachsen. Das sei keine Selbstverständlichkeit. In der Region gehöre man verglichen mit anderen Banken zu den grossen Geschäftsstellen. «Das haben wir unseren Kunden zu verdanken», sagt Nef.

John F. Kennedy, Zsa-Zsa Gabor und Ella Fitzgerald hatten nicht etwa ein Konto bei der SKA Frauenfeld, wie Stadtpräsident Anders Stokholm vermutet. Dafür haben sie alle denselben Jahrgang, eben 1917. «Frauenfeld ist eine blühende Stadt.» Dass die CS schon seit hundert Jahren am Platz ist, ist für Stokholm Indiz, dass man in Frauenfeld immer unternehmerisch tätig war. «Und dafür braucht es verlässliche Partner wie die Credit Suisse.»

Aus sieben kleinen Häusern werden drei Paläste

Die Gebäudezeile am Bankplatz datiert von 1771. Anstelle von sieben kleinen Bauten entstanden «drei grosszügige und schmucke barocke Stadtpalais», wie der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser am Jubiläumsanlass ­erklärt. Am Bankplatz 1 war das Bernerhaus, es folgten die «Palme» und die «Krone».

Bis 1798 residierten hier die Tagsatzungsvertreter, in der «Palme» die Glarner, in der «Krone» die aus Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Appenzell Innerrhoden und von der Fürstabtei St. Gallen. Nach dem Niedergang der Alten Eidgenossenschaft wandelte sich die «Krone» zum «Hôtel de la Couronne». In der Folge stiegen hier «gekrönte und ungekrönte Häupter» ab, von Zar Alexander I. bis Napoleon III. «So wehte hier in Frauenfeld ein Hauch von Weltgeschichte», sagt Elser. Als es in der «Krone» zu eng wurde, wurde die «Palme» zur Dependance, später ein Gasthof. In der «Krone» war das erste Frauenfelder Postbüro. 1851 wurde hier die Thurgauer Hypothekenbank gegründet.

In den Jahren 1967 bis 1971 fand ein Totalumbau der beiden Häuser statt. Im Innern ausgehöhlt, blieb nur die Gebäudehülle erhalten. Im Keller gab es einen neuen Tresor im Sandstein. Und heute gibt es für Kinder ein digitales Sparsäuli der Credit Suisse, das sich freut, wenn man es per App füttert. Was für eine Entwicklung, welche dieses Bank­gebäude hautnah miterlebt hat.


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