«Wir zahlen den Deutschen nichts»

SCHIFFFAHRT AM UNTERSEE ⋅ Die Sommersaison für die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein ist vorbei, und zu Buche stehen bisher positive Zahlen. Bis Mitte Oktober fahren noch Schiffe. Danach folgt eine Neumotorisierung in der Werft.
14. September 2017, 07:45
Samuel Koch

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Remo Rey, wie ist Ihre Gemütslage betreffend Fahrgastzahlen nach dem Sommer?

Mit rund 285000 Passagieren liegen wir per Ende August vier Prozent über dem Vorjahresniveau, was trotz mässigem Vorjahressommer erfreulich ist.

Nach dem hervorragenden Juni und Juli war das Wachstum im August aber wieder etwas tiefer.

Das ist ein kleiner Dämpfer, ja. Trotzdem sind die Fahrgastzahlen stabil, und gerade im August hatten wir mit insgesamt über 4600 Passagieren den besten Tag der Saison.

Wo liegt die Messlatte für ein zufriedenstellendes Jahr?

Bei rund 350000 Passagieren, wir müssen also auch im Herbst noch unser Bestes geben.

Sind die Fahrgastzahlen alleine entscheidend für den finanziellen Erfolg der URh?

Nein, der Umsatz muss stimmen. Die Frequenzzahlen sind wichtig, aber auch der durchschnittliche Ertrag pro Passagier ist entscheidend. Es bringt nichts, wenn wir ein voll besetztes Schiff mit lauter Gratisbilletten herumführen.

Wie hoch muss dieser durchschnittliche Ertrag sein?

Diese Kennzahl kommunizieren wir nicht. Schliesslich erwarten wir etwa einen Jahresumsatz von rund 4,7 Millionen Franken.

Die Stimmung innerhalb der URh hat sich nach den Sanierungsmassnahmen verbessert. Spüren Sie diesen Aufwind?

Die Stimmung geht während einer Saison auf und ab. Manchmal ist sie angespannt, manchmal gut. Aktuell sehnen viele das Saisonende herbei. Klar ist, dass Veränderungen immer für Gesprächsstoff sorgen.

Gerade die Änderungen im personellen Bereich der Geschäftsstelle waren einschneidend.

Diese Massnahme haben wir so gewählt, und die Geschäftsstelle wurde auf dieses Jahr hin verjüngt. Seither haben sich zwar weitere personelle Rochaden ­ergeben, aber die Höhe der Stellenprozente ist immer noch dieselbe.

Themawechsel: Im Frühsommer wurde publik, dass die deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) für Dienstleistungen des nautischen Personals am Hafen Konstanz fünfstellige Gebühren verlangen. Inwiefern betrifft das die URh-Kasse?

Dazu nehmen wir keine Stellung. Ich kann jedoch mit Sicherheit mitteilen, dass wir mit den BSB eine einvernehmliche Lösung gefunden haben und dafür nichts bezahlen müssen.

Im Winter steht die erste teure Neumotorisierung an.

Dank der zinslosen Darlehen beginnen wir im kommenden Winter mit der Neumotorisierung der «Schaffhausen», die ab Ende Oktober ausgewassert wird.

Das bedeutet eine Menge Arbeit für das Personal?

Insgesamt rechnen wir in unserer Werft mit 4000 Arbeitsstunden für die nautische Mannschaft. Jeder Mitarbeiter arbeitet rund zehn Wochen in der Werft, in der restlichen Zeit können Ferientage und Überstunden vom Sommer eingezogen werden.

Manchen Sie die gesamte Neumotorisierung selbst?

Die Vorarbeit und beispielsweise einen Teil im elektrischen Bereich stemmen wir selbst, die gesamte Schiffssanierung passiert aber in Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachleuten.

Mit dem Jassschiff konnte eine Idee des URh-Fördervereins bereits umgesetzt werden. Sind weitere geplant?

Ja, das liegt aber auch in der Verantwortung des Fördervereins. Auch die URh hat Ideen für die nächste Saison. So wollen wir gerade den Kursschiffen in der Vor- und der Nachsaison mit Rahmenprogrammen mehr Attraktivität verleihen. Das können Jassausflüge sein, aber auch Fahrten mit kulinarischen Angeboten.

Bis 15. Oktober verkehren noch täglich Kursschiffe, A-cappella-Sunset-Cruise ab Steckborn am 30. September. Weitere Infos unter: www.urh.ch


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