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Tagblatt Online, 18. Juli 2012 01:34:00

Spannung wegen Stromzähler

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Unverständnis bei den Stromproduzenten: Beate Herrmann und Kurt Eggmann bezweifeln, ob die Zähler getauscht werden müssen. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Werkbetriebe Frauenfeld verpflichten Eigentümer von kleinen Solarstromanlagen, Zähler einzubauen, die Stromeinspeisung und -verbrauch separat festhalten. Anlagebetreiber würden lieber den einfachen Nettozähler behalten.

STEFAN HILZINGER

FRAUENFELD. Gewöhnliche Schweizer Stromzähler laufen auch retour. Kurt Eggmann an der Talbachstrasse in Frauenfeld weiss das. Er ist seit kurzem Betreiber einer kleinen Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Einfamilienhauses.

Sobald er in seinem Haushalt mehr Strom benötigt, als die Anlage vom Dach liefert, läuft der Zähler «normal» vorwärts. Fällt dagegen ein Stromüberschuss an, so wird dieser ins Netz eingespeist und der Zähler läuft rückwärts. «Wir Kleinproduzenten von Solarstrom könnten so das Netz gewissermassen als grosse Batterie nutzen», sagt Eggmann.

Die meisten Kleinanlagen decken den Jahresbedarf eines Haushalts ohnehin nicht. «Daher steht beim jährlichen Ablesetermin letztlich ein Verbrauch auf dem Zähler», den die Stadt dann in Rechnung stellt.

Zwangsverkauf

Doch die Werkbetriebe Frauenfeld (WBF) wollen etwas anderes: Sobald eine Photovoltaikanlage betriebsbereit ist, tauscht das WBF den Standardzähler gegen ein anderes Modell aus, das den zugekauften und den eingespeisten Strom separat misst. Die Kosten für den Austausch gehen zulasten des Solarstromproduzenten.

Kurt Eggmann stört sich nicht nur am erzwungenen Systemwechsel beim Zähler, sondern auch daran, dass er diesen selbst berappen muss. «Die Stadt zwingt uns, unseren Ökostrom zu einem nicht sehr guten Preis zu verkaufen, und wir müssen erst noch die anfallenden Installationskosten übernehmen», ärgert sich Eggmann doppelt. Die Rechnung hat er vorerst nicht bezahlt. Dafür entwickelte sich ein reger Schrift- und Mailverkehr zwischen ihm und den Werkbetrieben.

Zuerst Klarheit schaffen

Eggmanns Nachbarin Beate Herrmann an der Erlenstrasse hat ebenfalls vor kurzem eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Weil der Juli bisher regnerisch war, hat diese noch nicht viel abgeworfen. Bei Herrmanns läuft weiterhin der normale Zähler. «Ich möchte zuerst wissen, ob der Austausch wirklich sein muss», sagt Herrmann. Denn weder sie noch Eggmann haben für den Zählertausch eine Rechtsvorschrift gefunden.

Im Gegenteil: Der Verband Thurgauischer Elektrizitätsversorgungen empfiehlt, «um den Aufwand in Grenzen zu halten» bei Kleinanlagen bis 3,0 Kilowatt «weiterhin das vereinfachte Messverfahren ohne Rücklaufhemmung anzuwenden».

Behindern statt fördern?

Thomas Böhni, GLP-Nationalrat aus Frauenfeld und Solarenergiefachmann, findet, dass die Frauenfelder Behörden mit ihrer Haltung Solarstrom eher behindern, statt zu fördern (siehe Interview). Ins gleiche Horn stösst der Frauenfelder Gemeinderat Christian Schmid (Grüne). In einer Interpellation ersucht er den Stadtrat, Eigentümer und Investoren von Solaranlagen «kundenfreundlicher zu bedienen sowie von unnötiger Bürokratie und damit verbundenen Kosten zu entlasten».

Schmid und Böhni stören sich beispielsweise auch an der technischen Abnahme der Anlage durch Instacontrol, einer Tochterfirma der WBF. Durch diese zweite Abnahme entstünden bloss unnötige Kosten zulasten der Photovoltaikbauherren.

«Halten uns ans Gesetz»

Die Stadt Frauenfeld lässt auf Anfrage verlauten, dass sie sich an die gesetzlichen Vorschriften halte. Die Beantwortung der Interpellation ist für die Gemeinderatssitzung vom 19. September in Aussicht gestellt. Vorher wolle man zur Sache materiell keine Stellung nehmen. «Allenfalls wird geprüft, die administrativen Abläufe zu vereinfachen», lässt Stadtsprecher Andreas Anderegg durchblicken.




Leser-Kommentare:
3 Beiträge

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unbekannt (20. Juli 2012, 09:31)
Klarheit schaffen

Solange die Behörden nicht genau wissen was Gesetz ist, wird es für die Solaranlagenbesitzer schwierig. Nachfragen und nicht alles gleich hinnehmen erspart viele Kosten. Zählereinbau kostet. Unnötige Kontrollen kosten. Ich bekomme für meinen eingespeisten Strom 6 Rp. und bezahle aber 21 Rp. Ds ist keine Förderung

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LukyLuke (19. Juli 2012, 12:49)
Umdenken beim Stromverbrauch

Auch bei uns ist es der Fall, dass wir bei der Inbetriebnahme einen digitalen Stromzähler bekommen haben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde noch nicht vollends entschieden, welches Prinzip sie anwenden will.

Was nun einfach zu beachten ist: Man sollte so viel Strom wie möglich verbrauchen, wenn dieser produziert wird, denn den Strom zu verkaufen ist nicht sehr rentabel. Das heisst also: Waschen, Tumblern, Wärmepumpe, etc. sollte trotz Hochtarif alles tagsdurch gemacht werden, da dann der Strom produziert wird (den Produktionszähler natürlich immer im Blickfeld). In der Nacht hingegen, trotz Niedertarif, sollte so wenig wie möglich verbraucht werden, da man diesen Strom dann zukauft.

Umdenken statt reklamieren, denn über Fördergelder im Bereich alternative Energien dürfen wir uns im TG wohl kaum das Maul verreissen zwinkern

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Solarius (16. August 2012, 11:12)
Wozu beim Stromverbrauch umdenken?

Ob ein Zähler mit separater Erfassung des eingespeisten Überschusses notwendig ist, hängt von der Anlagengrösse ab. Bei Anlagen bis 3 kWp empfiehlt der VTE (Verband Thurgauer Elektrizitätsversorger), den bestehenden Zähler ohne Rücklaufsperre weiter zu verwenden. Er ermöglicht eine einfache, unbürokratische und faire Abrechnung. Trotzdem wurde mir entgegen dieser sinnvollen Empfehlung und ohne rechtliche Grundlage der neue Zähler aufgezwungen. Der führt dann zu so grotesken Verhaltensweisen, dass man bei Sonnenschein ein Fünfgängemenu kocht und drei Maschinen Wäsche wäscht, nur um den Überschuss nicht zu einem schlechten Preis zwangsverkaufen zu müssen.

Über die einmalige kantonale Förderung, die übrigens zunehmend kleiner wird, freuen wir uns. Mit den Frauenfelder Werkbetrieben hat das nichts zu tun, die benachteiligen weiterhin Kleinanlagen von ökologisch engagierten Bürgern, die sich für den Ausbau regenerativer Energien einsetzen.

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