Tagblatt Online, 13. Juli 2012 06:55:00
Neu und immer noch verrucht
Silvio «Sivel» Reinhard hat gut lachen an seinem 50. Geburtstag. Sein «Anker» mit dem neuen Foodcorner hat eine frische Fassade bekommen. (Bild: Nana do Carmo)
FRAUENFELD. Über dem «Anker», der «Dorfchnelle in der Stadt», ist innert elf Monaten ein neues Haus entstanden. Die Fassade an der Zürcherstrasse 212 in der Frauenfelder Vorstadt aber blieb. Heute wird der Bau offiziell eröffnet.
MATHIAS FREI
Eigentlich ist alles beim alten geblieben, meint man, nur ein wenig aufgefrischt. Im «Anker» wird das Bier immer noch ab Hahn gezapft, wird geschlotet, und in der Jukebox läuft, was halt läuft: von Bob Marley bis Deep Purple. Draussen stehen schwere Motorräder in Reih und Glied.
«Der Charakter der Beiz sollte bleiben, die <Chnelle> mitten in der Stadt», sagt Silvio Reinhard. Er, den alle Sivel nennen, feiert zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung seines «Ankers» mit dem neuen «Bäck to the Wurscht»-Foodcorner seinen Fünfzigsten.
Bäckerei vor «Anker»
Seit 1973 gehört der «Anker» in die Frauenfelder Vorstadt. Wo früher Konditorei- und Backwaren über den Tresen gingen, eröffnete einer namens «Blüemli» einen guten Spunten, der schon damals mal für ein Tag geschlossen wurde vom Stadtrat, weil es «Trouble» gegeben hatte. 1986 fragte die damalige Wirtin Helen Weiss den Hells Angel Sivel – gelernter Kellner, der sich zum Koch ausbilden liess – an, ob er mit ihr zusammen den «Anker» führen wolle. «Die Gastung war in den Achtzigern nicht die einfachste, vor allem für eine Frau», erinnert sich Sivel.
Nach zwei Jahren als Mitpächter stieg er aus. Aber als René Theiler senior Sivel 1991 anfragte, ob er den Laden übernehmen wolle, sagte dieser zu. Unter Sivel ging der «Anker» am 5. Juli 1991 auf.
Abriss bis auf «Anker»
Seither ist viel passiert im «Anker», zuletzt der Abriss der Liegenschaft bis auf die Gaststube runter vergangenen Sommer. Innert eines Jahres sind nun über der Beiz schmucke Mietzimmer entstanden. Die Fassade gleicht der alten, nur verjüngt.
Die Zeiten der rauchbaren Badezusätze sind vergangen und vergessen. Und an jenem Silvestermorgen 2003 brannte es zum Glück nur im Nebenhaus. Gerüchten zufolge war damals sogar der zuständige Stadtrat vor Ort.
Vor Sivels Zeiten bedeutete ein Glaswurf «nomol e Stange». Bei Sivel kann auch heute mal noch ein Glas zu Bruch gehen. Böswillige Sachbeschädigungen in seinem Lokal toleriert er aber nicht. Bis auf jenen Abend in den Neunzigern, als Stühle verfeuert und Würste grilliert wurden.
Den Ruf behalten
Und wird der «Anker» nun mit dem Neubau ruhiger? «Nein, wir bleiben wild», meint Sivel. Den gewissen Ruf dürfe der «Anker» behalten. Was auch bleibt, sind die vielen Konzerte, die dekorierte Fasnacht und die Weihnachtsfeier. Und was bleibt, ist gut.
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