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Tagblatt Online, 29. Juni 2012 07:15:00

Gemeinsam gegen den Lärm

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Wohl brennen auch diesen Sommer farbige Lämpli in der Eisenbeiz. Aber die Stockwerkeigentümer an der Schmidgasse (im Hintergrund) haben kaum mehr mit Lärmemissionen zu rechnen. (Bild: Thomas Wunderlin)

FRAUENFELD. Mit Hilfe eines Massnahmenkatalogs «zur Vermeidung von Lärmkonflikten» will das Eisenwerk mit den Anwohnern ein Einvernehmen finden. Die Stadt Frauenfeld ist im Sinne einer Interessenabwägung erfreut über diese Lösung.

MATHIAS FREI

«Wir sagen nicht: <Das Eisenwerk war zuerst da. Fertig, Schluss.> Vielmehr suchen wir ein nachbarschaftliches Miteinander», erklärt Roland Wetli von der Genossenschaft Eisenwerk. Für den Juristen ist die Lärm-Causa im Frauenfelder Kulturzentrum seit anderthalb Jahren ein Thema. Im Winter 2010/11 mehrten sich die Lärmklagen. Das Gros stammte von Stockwerkeigentümern aus der nahen, damals neu erstellten Schmidgasse-Überbauung.

«Gleichwohl haben wir im Eisenwerk durch die Leistungsvereinbarungen mit Stadt und Kanton den Auftrag, einen Kulturbetrieb zu führen», entgegnet Wetli. Zudem sei aufgrund des Denkmalschutzes baulicher Lärmschutz kaum möglich.

Eisenwerk bemüht

Vergangenen Sommer führte die Eisenwerk-Genossenschaft mit allen Beschwerdeführern persönliche Gespräche. Diesen Mai fand ein Runder Tisch mit den Stockwerkeigentümern statt, im Beisein von Stadtammann Carlo Parolari. Als Resultat der Bemühungen seitens Eisenwerk liegt nun ein Massnahmenkatalog «zur Vermeidung von Lärmkonflikten» vor. Ein Flugblatt wurde kürzlich in der Anwohnerschaft gestreut.

Der Runde Tisch ist bei den Schmidgässlern gut angekommen. Die einen sahen nie einen Grund für Reklamationen. Anderen haben in jüngster Vergangenheit eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu früher festgestellt. Obwohl sie in der warmen Jahreszeit nachts meist bei offenem Fenster schlafe, wie eine Stockwerkeigentümerin erklärt.

Zu grosser Spielraum?

Andere wiederum sind noch nicht ganz befriedet. Das Eisenwerk habe sich zu viel Spielraum zugestanden, sagt ein Stockwerkeigentümer. «Wir wussten zwar, dass nebenan das Eisenwerk ist. Aber die Situation war nicht mehr tolerierbar», meint er.

Als eine Massnahme findet das Eisenbeiz-Sommerloch – ein vielfältiges Outdoor-Kulturprogramm mit 10jähriger Tradition – zwar statt, jedoch nur noch in beschränktem Ausmass. Dies bestätigt die Eisenbeiz-Geschäftsführerin Karin Herzog. Zudem enden diese Open-Air-Konzerte jeweils um 22 Uhr. Schon letzten Herbst wurde im Saal ein Dezibel-Messgerät eingebaut, das eine nachträgliche Überprüfung erlaubt.

Ansprechperson auf Pikett

Eine Neuerung ist, dass an jeder Veranstaltung, auch bei Fremdvermietungen, eine Betreuungsperson vor Ort sein soll, welche den Lärmschutz überwacht. Diese Person ist über ein Piketttelefon erreichbar für die Nachbarn.

Die Stadt habe ein Interesse daran, dass Kultur im Eisenwerk stattfindet, sagt Stadtammann Carlo Parolari. Gleichwohl habe er auch grosses Verständnis für die Anliegen der Anwohner. Er spricht von einem guten Kompromiss, der erreicht worden sei. «Ich hoffe, dass sich die Situation beruhigt», sagt Parolari. Dank der verlässlichen Rahmenbedingungen sei nun ein gemeinschaftlicher «modus vivendi» möglich.

Keine gesetzlichen Vorgaben

Was die Beurteilung ungleich schwieriger macht, ist der Umstand, dass es zwar für vielerlei Arten von Lärmemissionen Grenzwerte gibt, bei Veranstaltungslärm jedoch keine explizite gesetzliche Regelung besteht, wie Wetli erklärt. Es gebe kein «Richtig» oder «Falsch», dafür aber viel Ermessensspielraum. Parolari pflichtet ihm bei: «Das subjektive Empfinden von Lärm spielt eine grosse Rolle.»




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