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Tagblatt Online, 25. Mai 2012 01:05:00

Eile mit Weile beim Glasfasernetz

Glasfaser Zoom

Glasfasern führen noch längst nicht in alle Haushalte. (Bild: Archivbild: Susann Basler)

FRAUENFELD. Einen «pragmatischen Weg» will die Frauenfelder Stafag bei der Erschliessung der Hauptstadt mit Glasfasern gehen. Bis in zehn Jahren sollten alle Haushalte angeschlossen sein.

STEFAN HILZINGER

Bei aller Begeisterung für moderne Technik: Markus Schlatter, Geschäftsführer der Frauenfelder Stafag Communications AG, gibt sich thurgauisch nüchtern, wenn es um das Thema Glasfasern geht. Seine Firma ist einer der drei Partner bei der geplanten flächendeckenden Erschliessung der Gemeinde Pfyn mit Glasfasern. Die Gemeindeversammlung entscheidet kommenden Donnerstag über den benötigten Kredit von 2,3 Millionen Franken (TZ vom 8. Mai).

Nicht rentabel

In Frauenfeld baut Schlatters Stafag seit 1995 Glasfaserleitungen. Die Firma gehört damit zu den Pionieren in der Schweiz. Dennoch will Schlatter die Erschliessung aller Haushalte nicht um jeden Preis vorantrieben. «Die uns heute vorliegenden Erhebungen zeigen, dass ein Glasfasernetz zurzeit nicht kostendeckend gebaut und betrieben werden kann», sagt Schlatter. Dies betreffe vor allem Netze mit freiem Zugang, wo sich nach Schlatters Meinung zu viele Partner an der Verwertung des Netzes beteiligten.

Genügend Kapazität

Ein Problem sei, dass der Mehrwert eines Glasfaseranschlusses (höhere Kapazität bei der Datenübertragung) häufig den höheren Preis nicht rechtfertige. «Zudem bieten die bestehenden Kommunikationsnetze, sei es übers Telefon, das Kabelfernsehen und auch die mobilen Datennetze, laufend bessere Dienstleistungen», gibt Schlatter zu bedenken. Und zwischen diesen Netzen und den neuen Glasfasernetzen herrsche laut Schlatter «glücklicherweise ein reger Wettbewerb».

In Frauenfeld setzte die Stafag bisher auf sogenannte hybride Datennetze aus modernen Glasfasern und üblichem Koaxial-Kabel. Diese Netze haben laut Schlatter eine zwanzigfach höhere Kapazität als herkömmliche Telekommunikationsnetze aus Kupferdraht. «Die Übertragungskapazität reicht deshalb sicher noch für die nächsten zehn Jahre», sagt Schlatter.

Seit zwei Jahren ins Haus

Das Frauenfelder Glasfasernetz ist bis in die Verteilkästen in den Quartieren verästelt. Von dort führen die allermeisten Datenleitungen noch «konventionell» in die Haushalte. Seit zwei Jahren baut die Stafag laut Schlatter auch Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen («fibre to the home»). «Neuliegenschaften werden zurzeit nebst Frauenfeld auch in Lanzenneunforn, Buch, Hüttwilen, Kefikon und Felben in Glasfasertechnik erschlossen.»

Ab Ende Jahr will die Stafag mit der Erschliessung aller Frauenfelder Haushalte mit Glasfasern beginnen. «Bis in zehn Jahren wollen wir unser hybrides Netz in ein Glasfasernetz umwandeln», sagt Schlatter. Dieser «pragmatische Weg» sollte gemäss Schlatter ohne Steuergelder auch im freien Wettbewerb möglich sein.

Das Bundesamt für Kommunikation rechnet, dass schweizweit bis 2015 ein Fünftel aller Haushalte an ein Glasfasernetz angeschlossen sein dürfte.





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