Raus aus einem Leben im Autopiloten-Modus

09. April 2018, 07:04

Frauenfeld Das Licht wird immer fahler, die Besucher immer ruhiger. Sie warten gespannt, was ihnen in den nächsten 70 Minuten präsentiert wird. Plötzlich ertönt eine tiefe Stimme: «Es passiert mir oft, dass ich denke, jetzt sollte etwas passieren, und dann passiert nichts.»

Das Tanztheater Baden präsentierte vergangenen Freitag im Eisenwerk seine Bühnenshow. «Café-Sätze – Geschichten vom Nebentisch». Nebst Tanz beeindrucken die Reime aus der Feder von Simon Libsig, einem Schweizer Bühnen-Poeten und Geschichtenerzähler.

Die andauernde Suche nach dem Sinn des Lebens

Ein gut gekleideter Herr betritt im Scheinwerferlicht die Szenerie. Er spielt einen Banker, der über viel Geld, eigene Loft-Wohnung und vielem mehr verfügt. Trotzdem ist er nicht zufrieden. Er gesteht sich ein, dass er in einer Welt der Selbsttäuschung lebt. In dieser haben weder regelmässiges Essen noch Träume Platz. Der gut gekleidete Herr sehnt sich nach einem befriedigenderen Job oder danach, Zeit fürs Essen zu haben. Er leidet an der Sinnlosigkeit in seinem Beruf. Plötzlich steht er in einem Café. Hier trifft er auf sechs sinnsuchende Frauen. Eine bringt ihm eine spezielle Speisekarte. Darin stehen auch Fragen, die ihn aufrütteln und sein bisheriges Leben in Frage stellen. Auch die Frauen sind auf der Suche nach ihrem persönlichen Sinn des Lebens.

Der Ausfall des Handynetzes zwingt die Tänzer, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen. Ob vor kurzem geheiratet und noch schneller geschieden oder von der Liebe zutiefst enttäuscht. Selbst das Zerkratzen des Autos des Ex-Mannes mit dem gewesenen Ehering bringt keine Befriedigung. Mit der Zeit und viele Gespräche später finden die Tänzer nicht nur den Sinn des Lebens, sondern auch einen Ausweg aus dem Autopiloten-Modus.

Anhaltender Applaus ist der verdiente Lohn für eine überzeugende Leistung sowohl im tänzerischen wie auch in sprachlicher Hinsicht.

 

Andreas Taverner

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch


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