Pablo I. übernimmt das närrische Zepter

FRAUENFELD ⋅ Das Rathaus ist erobert, die Fasnacht eröffnet. Am Donnerstagabend um 19.13 Uhr haben die Murganesen Pablo I. als neuen Obernarren ausgerufen. Den Ur-Frauenfelder mit spanischen Wurzeln kennt man als Geschäftsmann und ehemaligen EHC-Präsidenten.
09. Februar 2018, 05:19
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei

@thurgauerzeitung.ch

Ho Narro und Olé! Jetzt hat die Frauenfelder Fasnacht spanisches Temperament. Am Donnerstagabend kurz nach 19.13 Uhr geleitete eine Horde Eishockey-Senioren "ihren" Obernarren Pablo I. in einer Miniversion einer Eisputzmaschine vor das Rathaus. Er regiert für die nächsten fünf Tage die Stadt. Stapi Anders Stokholm gab Zepter und Kelch schweren Herzens ab. Pablo Moirón ist Inhaber der Frauenfelder Handelsgruppe Janico Holding AG, ehemaliger EHC-Präsident und ehemaliger Captain der ersten Mannschaft in der 1. Liga. Begleitschutz erhält er von seiner Ehefrau Natalia Moirón und seiner Schwester Tamara Moirón.

Zu seiner Schande war Pablo I. in den vergangenen Jahren am Schmutzigen Donnerstag jeweils in Konstanz an der Fasnacht. Dass er heuer nicht ennet der Grenze feiert, ist aber gewiss ein Gewinn für die Frauenfelder Fasnacht. "Man kann mit mir gut, gern und viel lachen. Ich weiss, wann der Moment dafür passt." Er sei ein "glatter Cheib", offen und gehe gerne auf Menschen zu, sagt der 40-Jährige über sich selber. Das kann also durchaus heiter werden in den nächsten paar Tagen. Denn eine Spassbremse ist Moirón definitiv nicht. "Das habe ich in der Eishockeygarderobe gelernt."
 

Klein Pablo mit Konfetti in der Bouillon

Er sei kein vergifteter Fasnächtler. "Aber ich mag gute Guggen. Das fegt einfach." Und mit seinen Kindern sei der internationale Umzug am Sonntag in Frauenfeld alljährliches Pflichtprogramm. Eine der frühesten Fasnachtserinnerungen hat Moirón auch vom Sonntagsumzug. Klein Pablo war acht oder neun Jahre alt, damals verkleidete er sich gerne als Cowboy oder Indianer. Am Strassenrand hatte er von den Murgratzen einen Becher Bouillon ausgeschenkt bekommen, was ihn ungemein freute. Aber im übernächsten Moment sollte das Heissgetränk eine Ladung Konfetti abbekommen. "Heute passiert mir das nicht mehr, ich decke den Becher mit der Hand ab."

Moiróns Eltern sind aus Spanien in die Schweiz gekommen. Obernarr Pablo I., zwar Schweizer, ist darauf bedacht, die Kultur seiner Eltern nicht zu vergessen. "Ich habe auf jeden Fall südländisches Temperament." Er arbeitet lieber bis abends um 23 Uhr statt morgens um 6 Uhr, ist auch eher der Znacht- als der Zmorge-Esser. "Aber in Spanien bin ich der Ausländer. Mein Daheim ist Frauenfeld." So kennt er auch den galizischen Karneval, den "Entroido", nicht wirklich.

Für Moirón ist die Fasnacht ein wichtiges Kulturgut, das erhalten werden soll. Und er ist der Meinung, dass man der Gesellschaft ruhig auch mal etwas zurückgeben kann, sei es früher bei der Jungen Wirtschaftskammer oder im EHC-Vorstand und heute beim Rotary-Club. "Wir haben es doch so gut hier in der Schweiz." Auch darum brauchte er nur kurz Bedenkzeit, als die Anfrage für den Obernarren kam. Zudem schätzt Moirón Murganesen-Präsident Ivan Gubler. Er habe das Amt nicht gesucht, aber es mache ihn stolz, ausgewählt worden zu sein. Deshalb will er es mit der nötigen Ernsthaftigkeit ausüben. Und dazu gehört für ihn auch Humor mit Niveau.
 

Angepasste Umzugsrouten durch die Kantonshauptstadt

An der Grabenstrasse 5 und 7 entsteht ein Geschäftshaus. Aus Platz- respektive Sicherheitsgründen ist deshalb nur ein schmaler Fussgänger- und Veloübergang offen. Das hat Auswirkungen auf die Routen der beiden Frauenfelder Fasnachtsumzüge morgen Samstag und am Sonntag. Laut Murganesen-Präsident Ivan Gubler führte der internationale Umzug am Sonntag mindestens während der vergangenen zehn Jahre, wahrscheinlich auch schon länger, jeweils vom Oberen Mätteli über den Unteren Graben und die Grabenstrasse an den Postkreisel. Wegen der Strassensperrung ziehen die über 50 Gruppen nun über die Oberstadtstrasse auf den Bahnhofplatz und weiter die Rheinstrasse hoch. Gubler ist dankbar, dass die Kantonspolizei dieser geänderten Route zugestimmt hat. Denn sie hat auch Auswirkungen auf den ÖV auf dem Bahnhofplatz. Was sich nicht ändert: Umzugsstart ist um 13.33 Uhr. Ab 15 Uhr läuft in der Rüegerholzhalle das Monsterkonzert der Guggenmusiken.

Eine Routenänderung gibt es auch für den Kinderumzug (Treffpunkt: 13.33 Uhr, Oberes Mätteli) am Samstag. Statt über die Grabenstrasse führt der Umzug den Himalaja hinauf in die Altstadt. Die scharfe Kurve und die grosse Steigung seien für die Fahrzeuge machbar, sagt Gubler. Die Alternative über den Bahnhofplatz sei aus Sicherheitsgründen nicht in Frage gekommen. Am Samstagnachmittag habe es dort zu viel Verkehr. (ma)


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