Vierfach-Olympiasieger Dario Cologna zu Gast am Untersee

IN 85 TAGEN ZU GOLD ⋅ Der Traum von Goldmedaillen in Sotschi 2014 drohte für Dario Cologna wegen einer schweren Verletzung jäh zu platzen. Dank eines speziellen Laufbandsystems schaffte es der Schweizer in 85 Tagen zu Gold. Am Dienstag berichtete er über seine Leidenszeit an einem Workshop in Steckborn.
10. April 2018, 18:25
Samuel Koch
Schnee liegt in unseren Höhenlagen weit und breit keiner mehr. Gross war der meteorologische Kulturschock für Dario Cologna, der Steckborn am Dienstagvormittag einen kleinen Besuch abstattete. Denn auch wenn die Saison 2017/2018 für den vierfachen Langlauf-Olympiasieger passé ist, der 32-jährige Bündner aus dem Val Mustair trainiert derzeit in Davos fleissig weiter. Dabei könnte er sich auch auf den Lorbeeren des vergangenen Winters ausruhen, denn mit einer weiteren Olympiagoldmedaille im südkoreanischen Pyeongchang Mitte Februar krönte der Ausnahmeathlet eine äusserst erfolgreiche Saison. Den Thurgau kenne er zwar nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn A1 zwischen St. Gallen und Zürich. "Aber hier ist es sehr schön, vor allem wenn es in den Bergen noch viel Schnee hat, und hier schon alles sehr grün ist", sagt er diplomatisch auf die Frage nach seiner Verbundenheit zum Kanton Thurgau.

Cologna nimmt sich Zeit, steht für Fotos bereit hier, unterschreibt Erinnerungsstücke da, stets stoisch ruhig und überlegt in seinen Handlungen. Grund für den hohen Besuch am Untersee ist ein hochkomplexes Anti-Schwerkraft-Laufband der Medizintechnikunternehmung Proxomed GmbH, die als Tochtergesellschaft der traditionsreichen Nähmaschinenherstellerin Bernina gleichenorts einen informativen Workshop für rund 60 Physiotherapeuten und Fachärzte organisiert hat. 
 

Erste Trainings im Spitalbett

Nachdem die Gäste alle Trainingsgeräte im Bernina-Kreativzentrum  austesten konnten und Stargast Cologna sich geduldig für ein Fotoshooting hingab, sprach er über seine Leidenszeit nach seiner schweren Fussverletzung im Herbst 2013, die seine Träume einer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi wenige Wochen davor jäh zu platzen drohte. "Es war ein grosser Schock, und ich habe auch einige Tränen vergossen", sagte Cologna ehrlich, der nach dem Training auf dem Nachhauseweg mehrere Bänderrisse im Fussgelenk erlitt. Zusammen mit Heerscharen von Ärzten und Physiotherapeuten schmiedete Cologna bereits am Tag danach Pläne, wie eine Teilnahme in Sotschi doch noch klappen könnte. "Ich habe mir Ziele gesetzt und bereits im Spitalbett erste Trainings gemacht», sagte Cologna. Gelächter im Vortragssaal.

Der Traum von Goldmedaillen in Sotschi 2014 drohte für Dario Cologna wegen einer schweren Verletzung jäh zu platzen. Dank eines speziellen Laufbandsystems schaffte es der Schweizer in 85 Tagen zu Gold. Am Dienstag berichtete er über seine Leidenszeit an einem Workshop in Steckborn. (Samuel Koch)

Mit seinem Sportphysiotherapeuten vom Bundesamt für Sport in Magglinen, Simon Trachsel, ging es behutsam, aber Schritt für Schritt weiter. "Die Zeit war knapp, es blieben lediglich zwölf Wochen für einen Neuaufbau", sagte Trachsel. Ohne werberisch abgedroschen tönen zu wollen, meinte Trachsel, "hat das Anti-Schwerkraft-Laufband AlterG der Proxomed den Rehabilitationsprozess für Dario Colognas Fuss um eine ganze Woche beschleunigt". Dank einem schonenden Aufbau verlor Cologna nur wenige Trainingstage. Der Rest der beinahe wundersamen Geschichte ist bekannt: 85 Tage nach der Verletzung – notabene mit nur einem wettkampfmässigen Weltcup-Rennen in den Beinen – läuft Cologna in Sotschi beim Verfolgsrennen über 30 Kilometer zu Olympiagold. "Erst nach den Spielen liess es dann eine komplette Regeneration zu", sagte Trachsel. "Davor holte ich aber noch weiteres Olympiagold", schaltete sich Cologna ein und erntete spontanen Applaus. Über die klassische 15-Kilometer-Distanz liess er erneut alle Konkurrenten hinter sich. "Die Emotionen waren unglaublich und sind immer noch sehr präsent", sagte Cologna. Das Laufbahn AlterG sei zwar nur eines von vielen Puzzleteilchen im erfolgreichen Weg zurück gewesen, "es hat aber sicherlich geholfen".

Nebst all den Proxomed-Mitarbeitern zeigt sich auch Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi stolz über den prominenten Gast am Untersee. Jährlich verbringt Ueltschi als Amateur selbst rund 1000 Kilometer in den Langlaufloipen und er habe viel für den Sport übrig. "Das Gerät hilft auch mir bei der Regeneration", sagt Ueltschi, der seit rund 15 Jahren in Proxomed investiert. Das Kerngeschäft bleiben jedoch seine Nähmaschinen. "Wir feiern ja heuer unser 125-jähriges Firmenjubiläum", sagt Ueltschi. Trotz des prominenten Kunden namens Cologna sei das nur eine Ergänzung zum Bernina-Stammgeschäft. 

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