Obergericht bestätigt Urteil für Vergewaltigungen im Rotlichtmilieu

ZUHÄLTEREI ⋅ Das Thurgauer Obergericht hat einen 45-Jährigen unter anderem wegen dreifacher Vergewaltigung, Erpressung und Betrugs zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Es bestätigte damit ein Urteil des Bezirksgerichts Frauenfeld.
04. Dezember 2017, 16:17
Das Obergericht bestätigte die Schuldsprüche der ersten Instanz wegen Vergewaltigung in drei Fällen, mehrfacher Förderung der Prostitution, versuchter Erpressung und Betrugs, wie es am Montag mitteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Beschuldigte sei für die Zuteilung der Prostituierten auf verschiedene einschlägige Thurgauer Lokale im Rotlichtmilieu zuständig gewesen, heisst es. Er führte drei Osteuropäerinnen in die Etablissements, kontrollierte sie regelmässig und kassierte einen Teil ihrer Einkünfte.
 

Abhängigkeit ausgenützt

Wegen ihrer prekären finanziellen Situation und ihrer Abhängigkeit vom Angeklagten hätten sich die Frauen nicht gegen die teilweise Abschöpfung des Einkommens und die Bestimmung ihrer Einsatzorte wehren können, schreibt das Obergericht. Der Angeklagte habe sie in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt.

Als eine Prostituierte sich weigerte, dem Mann weiterhin 20 Franken pro Arbeitstag abzugeben, drohte er ihr, dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr in den Lokalen arbeiten könne. Das Gericht taxierte dies als versuchte Erpressung. Zudem soll der Beschuldigte die drei Frauen zum Geschlechtsverkehr mit ihm gezwungen haben.

Als der 45-Jährige sich bei einer Schlägerei vor einem Nachtklub das Handgelenk brach, meldete er der Unfallversicherung SUVA wahrheitswidrig, er habe sich die Verletzung bei einem Treppensturz zugezogen. Dadurch erhielt er von der SUVA rund 12'000 Franken mehr Geld.
 

Teilweise geständig

Laut Obergericht anerkannte der Beschuldigte den Betrug zu Lasten der SUVA. Er gab auch zu, eine der Prostituierten kontrolliert zu haben. Die beiden anderen hingegen hätten ihm freiwillig Tagespauschalen bezahlt und seien nicht von ihm abhängig gewesen. Er habe auch niemanden erpresst oder vergewaltigt.

Das Bezirks− und das Obergericht erachteten aber die Aussagen der Frauen als glaubhaft. «Aufgrund des dominanten Auftretens, der körperlichen Erscheinung des Angeklagten und des augenscheinlichen Machtgefälles fürchteten sie sich vor ihm und taten, was er von ihnen verlangte», heisst es.

Das Obergericht bestätigte deshalb die Schuldsprüche und das Strafmass der Vorinstanz. Einer der Prostituierten muss der Verurteilte eine Genugtuung von 6000 Franken bezahlen. Zudem wurden ihm rund 70'000 Franken Verfahrenskosten auferlegt. (sda) 

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