Oktoberfest Steckborn: Gratistaxi-Dienst nach tödlichem Unfall

TRAGÖDIEN VERHINDERN ⋅ John Dierauer sitzt beim bevorstehenden Oktoberfest Steckborn hinters Steuer eines Londoner "Black Cab". Wer mitfährt, zahlt so viel, wie er will. Wichtig sei, dass es nicht wie im Vorjahr zu einem Unfall mit tödlichen Folgen kommt.
02. Oktober 2017, 13:06
Samuel Koch
Ein Facebook-Post schlägt am Montag viral hohe Wellen. Innert weniger Stunden ist die Nachricht des Steckborners John Dierauer dutzende Male kommentiert und geteilt worden. "Grossartig", "Hammer Aktion" oder "Hut ab" sind nur einige der Kommentare. Denn beim kommenden Oktoberfest im Unterseestädtchen fährt Dierauer die Besucher in Dirndl und Lederhosen mit dem Taxi nach Hause, und das gratis.

John Dierauer fährt beim Steckborner Oktoberfest am kommenden Samstag gratis Taxi, um Unfällen mit Betrunkenen vorzubeugen. Zoom

John Dierauer fährt beim kommenden Steckborner Oktoberfest gratis Taxi, um Unfällen mit Betrunkenen vorzubeugen.

"Ich bin nicht gegen das Oktoberfest oder gegen Partys", sagt Dierauer. Er sieht es aber als seine Pflicht, persönlich etwas zu unternehmen. Denn exakt vor einem Jahr ereignete sich in der Nacht nach dem Oktoberfest oberhalb von Steckborn ein Autounfall mit tödlichen Folgen. Ein betrunkener Autofahrer knallte mit seinem Auto in mehrere Bäume. Ein 31-jähriger Beifahrer zog sich dabei derart schwere Verletzungen zu, dass er diesen im Spital erlag.  Ein Atemlufttest der Polizeibeamten ergab beim Fahrer einen Alkoholwert von 1,2 Promille. "Das ist doch einfach nur ein grosses Leid, ich fahre noch heute jeden Tag an der Unfallstelle vorbei und sehe die Kerzen und Blumen", sagt Dierauer. An Tragik kaum zu überbieten: Der Verstorbene war verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. 
 

"Gefühl von Verlust wünsche ich niemandem"

John Dierauer weiss, wie es ist, einen schmerzlichen Verlust zu erleiden. Vor zwölf Jahren hat er bei einem tragischen Unfall zu Hause eines seiner Kinder verloren. "Dieses Gefühl wünsche ich niemandem", sagt er. Auch deshalb sitzt er vom Donnerstag bis Samstag jeweils von 21 Uhr bis nachts um 2 Uhr gratis hinter das Steuer eines traditionellen Londoner "Black Cab", das Dierauer als Spende von der Firma Rent a Classic aus dem zürcherischen Flaach bekommen hat. Dierauers Dienstleistung sei ein kleiner Aufwand, womit persönliche Verluste verhindert werden könnten. 

Auf seinen Facebook-Post hin meldeten sich nicht nur Sympathisanten, sondern auch Freunde und Bekannte, die Dierauer bei seiner Aktion unterstützen wollen. "Das ist einfach genial, mittlerweile sind wir schon gegen zehn Leute, die beim Seeschulhausplatz auf die Besucher warten", sagt Dierauer. Die Dienstleistung ist gratis, "wer ein Trinkgeld gibt, umso besser", meint er. "Wer jedoch nichts bezahlen möchte, auf den sind wir sicher nicht böse", sagt Dierauer. "Wichtig ist, dass alle gut nach Hause kommen."

Mit den Veranstaltern hat er ebenfalls schon Kontakt aufgenommen. "Anfangs waren sie verunsichert", sagt Dierauer. Mittlerweile würden sie die Idee aber begrüssen und sich dankbar zeigen. "Vielleicht gibt es dann für uns ja ein Brathendl oder eine Haxn", meint Dierauer schmunzelnd. Immerhin wird der Speaker im Festzelt die Gäste auf die Gratistaxifahrten aufmerksam machen. Und das Ziel ist für Dierauer klar: "Es darf gefeiert werden, was das Zeug hält, aber danach kommen alle sicher nach Hause."

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