Lichte Gesichter der Berge

FRAUENFELD ⋅ Die Ausstellung «Berglandschaften» der passionierten Alpinistin Claire Hoerdt in der Stadtgalerie Baliere versetzt Bündner Gebirgsmassive in Gemütsstimmungen. Morgen feiert die Schau Vernissage.
04. Oktober 2017, 07:14
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Sie malt Porträts – von Menschen, aber vor allem von Bergen. «Das Licht der Berge ist wichtig», sagt Claire Hoerdt. Mit dem Licht, den Farbkontrasten und den Schattierungen schafft sie Spannung. Die Berge kommen zu Stimmungen, bekommen Gemütslagen – als ob sie Gesichter wären. «Man kann Berge nicht malen. Nur die Sehnsucht nach ihnen», sagt sie. Wenn Hoerdts neue Ausstellung «Berglandschaften» morgen nicht Eröffnung feiern würde, wäre die pensionierte Aargauer Malerin und Heimweh-Bündnerin am Wandern. Der bekannte Walserweg wartet. Mit ihrem Ehemann hat die aus Savognin stammende Claire Hoerdt noch 20 Tagesetappen vor sich.

Claire Hoerdt ist das künstlerisch-musische Moment schon ihr ganzes Leben ein Anliegen. 2011 wurde sie zur Aargauerin des Jahres gewählt. Denn während 33 Jahren hatte sie über ­hundert Heimkinder beherbergt. «Mir war wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen malen und musizieren.» Mit ihrer Pensionierung begann sie, ihr eigenes künstlerisches Schaffen mehr zu schärfen.

Sieben Quadratmeter grosse Öl-Massive

Die in Othmarsingen lebende Künstlerin ist vielseitig. Sie modelliert und fertigt Holzskulpturen – und vor allem malt sie, früher auch in Acryl, mittlerweile fast nur noch in Öl. Hoerdt malt grossflächig. Eines ihrer grössten Werke misst 3,6 Meter auf zwei Meter: Piz Palü, Bellavista und Piz Bernina, von der fast 3000 Meter hohen Diavolezza aus betrachtet. Ihr Mann John Hoerdt stellt für sie die übergrossen Leinwände her, oder sie setzt mehrere Leinwände für ein Bild zusammen. Die Staffeleien stehen bei ­Hoerdts auf der Terrasse. Sie malt nicht mit einem Pinsel, sondern spachtelt die Farbe. Das gibt den Bildern in Zusammenspiel mit der distanzierten Perspektive Tiefe. Bisweilen wünscht sie sich mehr Licht, mehr Sonne. Aber der Aargau ist nicht Südfrankreich.

Und trotzdem kommen auf den Bildern faszinierende Lichtstimmungen zu Stande. Schatten sind bei Claire Hoerdt nicht grau. Und die Himmel ist manchmal gelblich, manchmal rötlich, mal in Blau, mal in Violett. Die Farbstimmungen entstammen ihrem Kopf, die Berge aber hat sie allesamt schon gesehen. Sie fotografiert und malt ab schon vorhandenem Bildmaterial. Aber sie will einen Berg nicht fotorealistisch abbilden.

Wenn sie einen Berg von weitem sehe, nehme es sie wunder, was auf der anderen Seite des Gipfels ist. Wenn sie einen Gipfel bezwungen hat, macht sich bei ihr das Gefühl breit: «Dieser Krampf hat sich gelohnt.» Keinen Krampf bereitet ihr hingegen das Malen. Sie male, um den Bergen nah zu sein, sagt sie. Vielmehr hat sie bisweilen Mühe, zu einem Ende zu finden. «Ich könnte immer noch etwas ändern.» Deshalb hat Claire Hoerdt beschlossen, dass ein Werk genau dann fertig ist, wenn sie ihre Signatur gesetzt hat.

Claire Hoerdt «Berglandschaften». Vernissage morgen Donnerstag, 19 Uhr, Einführung durch Kuratorin Milena Oehy. Ausstellung bis 29. Oktober. Donnerstag, 17 bis 20 Uhr; Samstag/Sonntag, 12 bis 16 Uhr. Stadtgalerie Baliere am Kreuzplatz. www.claire-hoerdt.ch


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