«Kirchenschiff, bitte einsteigen»

UNTERSEE ⋅ Lokale Kirchgemeinden und die Chrischona Stein am Rhein begrüssten am Sonntag 170 Gäste auf der «Arenenberg». Es waren keine gewöhnlichen Passagiere, sondern Besucher eines Gottesdienstes.
25. Juli 2017, 07:45
Margrith Pfister-Kübler

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Berlingen, Steckborn, Mammern und Stein am Rhein lauteten die Landestellen am Schweizer Ufer. «Kirchenschiff, bitte einsteigen», lauteten dort die freundlichen Aufforderungen der nautischen Mannschaft der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh) auf dem Motorschiff Arenenberg.

Teamleiter und Dekan Arno Stöckle (Evangelische Kirchgemeinden Mammern und Wagenhausen), Gemeindeleiter Thomas Mauchle (Katholisch-Steckborn, Gündelhart und Pfyn) und Prediger Daniel Schenker (Chrischona Stein am Rhein) sowie die Vertreter der Schaffhauser Kirchgemeinden Burg und Stein am Rhein/Hemishofen zeigten sich erfreut, dass sich die unterschiedlichsten Glaubensgewissheiten gemeinsam auf dem URh-Schiff eingefunden haben, das für gewöhnlich als Kursschiff unterwegs ist. Das Kirchenschiff bietet Platz für maximal 500 Passagiere, am Sonntagabend kamen rund 170. Die Stimmung war heiter, die Natur bezaubernd. Der theologischen Crew war es in ihren Betrachtungen darum zu tun, den Standort des Menschen in seinem Selbstverständnis und in seiner Beziehung zur unmittelbaren Umwelt, den Menschen in Not auf dem Mittelmeer und ohne Lebensperspektive, der Glaubenswahrheit, das unterschiedliche Leben und die Vernunft ins richtige Licht zu setzen.

Musikalisch setzten Christina Wallau (Piano), Susana Gutierrez und Helga Höness (Violine), Arno Stöckle (Frenchhorn) und Andreas Meier (Saxofon) sensible Akzente. «Ist das Oberdeck noch da?» Auf diese Frage bekam Dekan Stöckle keine Antwort. Der Lautsprecher streikte für einmal.

Gäste aus Australien und den Vereinigten Staaten

Die Gäste rückten näher zusammen. Zusammenrücken zwischen dem Schweizer Ufer und der gegenüberliegenden Höri, das freute Ilona Schumacher von der Kirchgemeinde Gaienhofen und Erika Schädle aus Öhningen. Feriengäste aus Osnabrück mit Kindern, weitere aus Australien und aus Washington nutzten spontan das Angebot. Durch die Schifffahrt fühle man sich freier, war zu hören. «Gottesdienst auf dem See zu feiern, ist etwas Besonderes, sehr schön und speziell», freut sich Erika Thaler, Mutter des URh-Kapitäns Urs Thaler, aus Berlingen. Steckborns Stadtpräsident Roger Forrer: «Mir bedeutet der Glaube sehr viel. Er hat mir in der guten wie auch in der schwierigen Zeit immer sehr viel geholfen.» Die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstschiffes würden alle ähnlich ticken, weshalb es immer auch sehr gute Gespräche gebe. «Der Gottesdienst ist einfach jedes Mal einzigartig», sagt Forrer.

Spenden für die Fahrt und Menschen in Not

Wie es geht, Glaubensgewissheiten auf dem See zu spüren, dies wurde auf dem Kirchenschiff vor Augen geführt. Wer wollte, durfte einen Zustupf an die Unkosten und als Hilfe für Menschen in Not spenden. Mitfinanziert wurde das Kirchenschiff von der Evangelischen Landeskirche Thurgau und den beteiligten Kirchgemeinden. Es wäre doch noch prima, wenn man in Zukunft auch ohne Anmeldung an Bord des Kirchenschiffs gelangen könnte, meinte eine Seeanwohnerin.

Weitere Kirchenschifffahrt auf dem Untersee am 27. August. Anmeldung ist obligatorisch Tourismusbüro Stein am Rhein, Tel: 052 632 40 32 oder E-Mail: tourist-service@steinamrhein.ch


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