Im Brautkleid auf der Titelseite

ESCHENZ ⋅ Als Zahnfee hat Sylvia Müller den Schülern während Jahrzehnten genau in den Mund geschaut. Als Samariterin hat sie vielen Verletzten Verbände angelehgt. Nun tritt sie etwas kürzer.
23. November 2017, 08:12
Ernst Hunkeler

Ernst Hunkeler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Von A wie Armschlinge bis Z wie Zahnbürste – Sylvia Müller hat sich in 41 Jahren mit einem ganzen Abc an Bedarfsartikeln für das körperliche Wohl ihrer Mitmenschen beschäftigt. Dabei sind die Tätigkeitsfelder der Frau, die jüngst 65 Jahre alt geworden ist, so vielfältig, dass man gar nicht weiss, wo man mit der Bilanz beginnen soll.
 

Von der Feuerwehr bis zum Ortsmuseum

Viele aus der Region kennen sie vielleicht noch als Zahnfee aus der Schulzeit. Sie war aber auch auf regionaler, kantonaler und teils eidgenössischer Ebene als Instruktorin im Turn- und Samariterwesen, als Feuerwehroffizierin und als Mitbegründerin von «Laola» tätig.

Erklärungsbedarf besteht wohl beim Begriff «Laola»: Im Auftrag des Schweizerischen Turnverbandes und in Zusammenarbeit mit zwei Gleichgesinnten schrieb sie Jugendsportstätten in der Deutschschweiz an und erreichte an den meisten von ihnen ein Alkohol- und Rauchverbot. Wenn das keine La-Ola-Welle wert ist.

Den Eschenzern diente sie als Lehrerin im Samariterverein Mammern-Eschenz, als Schulbehörde- und Kirchgemeindemitglied, Muki-Turnen-Leiterin, Gründerin des Kinderturnens und als Mitinitiantin des Ortsmuseums und der gemeinnützigen Brockenstube. Für die Schüler aus der Region bot sie auch Ferienspass-Programme an.

Beruflich entfaltete sie sich als Dachdeckerin und Bürokraft im elterlichen Geschäft, Serviertochter in der Eschenzer «Sonne», Nähmaschinen-Expertin für Bernina, Betreuerin im Altersheim Steckborn und natürlich als Zahnpflegerin an Thurgauer Schulen. All diese Aufgaben führte sie jeweils während mehrerer Jahre bis Jahrzehnte aus. Nicht zu vergessen die Familie: Mit ihrem Mann hat sie zwei Söhne grossgezogen, Haus und Garten betreut und – wie könnte es anders sein – obendrein diversen Hobbies gefrönt: Backen, Kochen, Gärtnern, Training in der Hundegruppe Diessenhofen, Wandern, Velofahren, Skifahren und Segeln –letzteres wie auch eine Vielzahl ihrer anderen Berufe und Freizeitbeschäftigungen mit Ausbildung und Diplom. Und das Nähen. Sogar ihr Brautkleid hat sie 1976 selber kreiert und es darin auf die Titelseite von «Meyers Modeblatt» geschafft.
 

Als Samariterin helfen und lehren

Eine andere tragende Säule im Leben der mit 18 Jahren von Klosters nach Wängi gezogenen Allrounderin war das Samariterwesen: In den bald 41 Jahren bei den Samaritern hat sie ihr diesbezügliches Wissen weit über die Vereinsgrenzen hinausgetragen. Zum Beispiel in Schulen und an diverse Firmenbelegschaften. Jüngst absolvierte Sylvia Müller die letzte Übung mit ihrem Verein, im Februar wird man sie offiziell verabschieden. Wobei: Den Status eines Ehrenmitgliedes behält sie ein Leben lang.

«Alles, was ich gemacht habe, tat ich mit viel Freude und Energie.» So spürt sich die ganz besondere Frau selbst – und so sehen sie auch die unzähligen Menschen, die sie kennen.


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