Hühnerstall als Herz und Hirn

FRAUENFELD ⋅ Daten sind wie Eier. Wer beim neuen Bundesrechenzentrum Campus Henne und wer Güggel ist, erfuhr man gestern an der Grundsteinlegung des 136-Millionen-Baus auf dem Waffenplatz Auenfeld.
28. November 2017, 08:02
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Es wird sehr viel Platz haben für Eier. Das steht fest. Was für Eier genau hier gelagert werden, das wird nicht gesagt. Weil er sich nicht sicher ist, wie viel er über das neue Rechenzentrum Campus erzählen darf, benutzt Rolf Dauer den Vergleich von Daten als Eiern. Dauer ist abtretender Projektleiter für den Neubau des Bundesrechenzentrums Campus. Seit Mitte Mai wird gegenüber der Kaserne Auenfeld gebaut. Gestern nun war die Grundsteinlegung für den 136-Millionen-Franken-Neubau.

Was Fakt ist: Am Anfang des Rechenzentrums Campus stand der Bundesratsbeschluss für ein neues Rechenzentrum-Konzept (siehe Kasten). In Frauenfeld entsteht nun das erste Rechenzentrum, das der Bund zivil und militärisch nutzt. 19 Standorte standen zur Auswahl, vier kamen in die Short-List, das Rennen machte schliesslich Campus. Die zivile Nutzung soll bei 55 Prozent liegen. Betreiberin des Rechenzentrums – in Projektleiter Dauers Worten der Güggel – ist Armasuisse, das Bundesamt für Rüstung. Die Hennen als Nutzerinnen sind das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) sowie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Sie werden im Campus ihre Eier, also Daten lagern.

Gekühlt und geschützt vor Hühnergrippe und Habicht

Das Rechenzentrum ist modular, also um bis zu drei zusätzliche Etappen erweiterbar. Der bis zu 30 Meter hohe Bau der ersten Etappe soll in gut zwei Jahren bezugsbereit sein. Dann erfolgt die Migration der Daten nach Frauenfeld. «Wir sprechen hier von der Grössenordnung Petabyte», sagt Thomas Fankhauser, Vizedirektor Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Ein Petabyte entspricht einer Million Gigabytes. Kapazität sei heute kein Problem mehr. Eher gehe es um das Thema Strom respektive Abwärme und entsprechend um die Übertragungsleistung, sagt Fankhauser. Für die Daten, also die Eier, braucht es ein dreischichtiges Kühlsystem. Und sie müssen rundum geschützt sein, «gegen Hühnergrippe und auch gegen Hühnerhabichte», wie Projektleiter Dauer sagt. Mit der Abwärme kann in Zukunft die ganze erweiterte Kaserne Auenfeld beheizt werden. Unter Umständen bleibt sogar noch etwas für den Frauenfelder Wärmering übrig.

«Ohne Daten geht heute nichts mehr, und ohne Rechenzentrum geht in Zukunft nichts mehr», stellt Divisionär Jean-Paul Theler fest. Er leitet die Führungsunterstützungsbasis. Virtualität brauche auch Infrastruktur. Und Frauenfeld werde mit Campus zum Herzen dieser Infrastruktur gehören, bedient sich Theler dem Bild eines Körpers. Armasuisse-Vizedirektor Martin Stocker wiederum erklärt, Frauenfeld sei für das VBS ein wichtiger Standort, wenn es um die Konzentration der Armasuisse-Immobilien gehe. Das Auenfeld sei hervorragend erschlossen und biete auch noch Reserven.

«Ich bin neugierig, was hier gespeichert wird», gibt Regierungspräsidentin Carmen Haag zu. So oder so freue sich der Regierungsrat, dass ein solch prestigeträchtiger Bau in Frauenfeld zustande komme. Und Stadtrat Ruedi Huber spricht vom grosszügigen Ausbau des Waffenplatzes Auenfeld. Frauenfeld werde so zu einem Teil des Gehirns der Schweiz.

Bundesratsbeschluss: Vier grosse statt viele kleine Rechenzentren

Vor drei Jahren hat der Bundesrat ein neues, departementsübergreifendes Konzept für die bundeseigenen Rechenzentren bewilligt. Neu soll eine Konzentration auf vier Standorte stattfinden: zwei militärische Rechenzentren, ein ziviles sowie eine Anlage, die militärisch und zivil genutzt wird – Campus in Frauenfeld (Baukosten: 136 Millionen Franken). Bislang wurde die Bundesinformatik in verschiedenen kleinen Rechenzentren betrieben. Mit dem neuen Verbund soll der zukünftige Bedarf an Datenkapazität wirtschaftlicher, weil energetisch kostengünstiger und umweltschonender, sichergestellt werden. Die beiden militärischen Rechenzentren sollen ab 2021 bereitstehen, das zivile Zentrum wird an einem bestehenden Standort bis 2030 betrieben. Der Campus in Frauenfeld sollte in rund zwei Jahren bezugsbereit sein. Die Datenmigration ins Frauenfelder Rechenzentrum soll bis 2024 abgeschlossen sein. Die Kosten dafür betragen insgesamt 42 Millionen Franken. Alle Neubauten sind modular, also im Bedarfsfall erweiterbar. (ma)


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