Gemeinsam von Garten zu Garten

PFYN/DETTIGHOFEN ⋅ Regula Raas setzt das 20-Jahr-Jubiläum der Politischen Gemeinde mit einem Parcours künstlerisch in Szene, der sich aufgrund der Vegetation laufend verändert. Nicht immer zum Vorteil aller Tiere.
13. April 2018, 05:18
Evi Biedermann

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Noch weiss sie selber nicht, wie sich das alles entwickeln wird. Ausgesuchte Bodenpflanzen, buschige Sträucher und Gartentiere sollen sich gegenseitig befruchten und zu einem Kunstwerk verschmelzen. Dafür hat Regula Raas 20 Gartentiere, die sie aus bunten Mosaiksteinchen erschaffen hat, in 14 privaten Gärten auf Gemeindegebiet platziert. Mehrheitlich sind es nur Teile von Tieren, etwa der Hals eines Schwans, Kranichs oder Pfaus. Die Pflanze als lebendiges Lebewesen sei ihr wichtiger als die künstlerische Ergänzung, erklärt die Künstlerin aus Dettighofen. «Dennoch braucht es für meine Kreationen beides.»

Je nachdem, wie die Pflanze wächst, wird sich Komposition im Verlauf der Monate verändern und formen. «Die Herausforderung war, möglichst bestehende Pflanzen einzubeziehen.» Geklappt hat das nicht überall. So erhielt etwa der mosaikartige Igel für seinen Jubiläumsauftritt ein Stachelkleid aus frisch gesetzten Gräsern. Noch stehen einzelne Tiere etwas nackt in den Gärten, denn den Sträuchern, die sie ergänzen, fehlt das Blattwerk. Ab Mitte Mai jedoch sollte der Grünungsprozess beendet sein, schätzt Regula Raas.

Die Gemeinschaft stärken

Der Kunstgarten ist Teil des Jubiläumsprojekts «20 Jahre Politische Gemeinde Pfyn», das unter dem Motto Begegnung steht und mit diversen Aktivitäten das Zusammengehörigkeitsgefühl der beiden Dörfer Pfyn und Dettighofen stärken will. Ein «künstlerischer Tierparcours» lade doch zu Begegnungen ein, dachte sich Raas, die bereits im letzten Jahr im Frauenfelder Alterszentrum Stadtgarten einen kleinen Kunstgarten realisierte. Beflügelt von der Chance, ein zweites und erheblich grösseres Projekt zu erarbeiten, wurde sie beim Gemeinderat von Pfyn vorstellig. 20 Tiere in bestehenden Gärten, verteilt über die beiden Dörfer der 20 Jahre alten Gemeinde, war ihr künstlerischer Ansatz. Das kam gut an. «Wir freuen uns immer, wenn Dorfbewohner kreativ werden und unterstützen deren Ideen, wenn immer möglich, gern», sagt Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller. Dann machte sich Raas mit einem Aufruf an die Bevölkerung auf die Suche nach geeigneten Gärten. Das Echo habe sie total überrascht», sagt sie und lacht. «Es haben sich doppelt so viele Gartenbesitzer gemeldet, als ich suchte.»

Schöne Begegnungen und helfende Hände

Eine weitere Überraschung waren die Begegnungen, die durch das Projekt entstanden sind. «Es gab schöne Gespräche, freudig-interessierte Gartenbesitzer und helfende Hände», erzählt Raas. Nicht alle Gärten hätten sich jedoch gleich gut geeignet für das Projekt. Etwa, weil sie zu wenig einsichtig sind. Geblieben sind deren 14, in denen sich nun 20 Tiere tummeln. Einige sind nun zu zweit oder in Gruppen unterwegs, weil der vorhandene Platz oder die Pflanze es so vorgaben. Alle Tiere haben einen Namen und diese wiederum eine spezielle Bedeutung. So begegnet man auf dem Parcours etwa Johann Strauss senior und junior als Vogel Strauss Vater und Sohn oder einem braun-grünen, «schönen» Hahn namens Sigismund. Und erkennt darin leicht den Bezug der Kunsthandwerkerin zu ihrem Hauptberuf als Musikpädagogin und Violinistin.


Anzeige: