Erster Widerstand

FRAUENFELD ⋅ Drei der präsentierten Stadtentlastungsvarianten würden auf heutigen Quartierstrassen oberirdisch durch das Gebiet Stammerau/Talacker führen. Dagegen wehrt sich Anwohner Roman Fischer mit einer Petition.
25. November 2017, 07:54
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Roman Fischer hat Angst – vor dem «Sündenfall Weinfelden II», wie er selber sagt. Angst, dass in Frauenfeld dereinst eine Um­fahrungstrasse das beschauliche Wohnquartier im Bereich Stammerau/Talacker zerschneiden könnte. Links und rechts der Strasse mit über 10000 Fahrzeugen pro Tag hohe Lärmschutzwände, Lärm und Abgase. «Das ist doch traurig, wie die Weinfelder Umfahrung durch ein Einfamilienhausquartier führt», sagt er. Damit Frauenfeld nicht zu Weinfelden wird, hat Fischer eine Petition lanciert: «Keine oberirdische Stadtentlastung Frauenfeld», abgekürzt Kosef. Oder auch: «Das unerbauliche Vorweihnachtsmärchen der Stadt und des Kantons mit Kosef.»

Der erste öffentliche Widerstand, nachdem Stadt und Kanton vergangenen Montag sieben Varianten für eine mögliche kleinräumige Stadtentlastung präsentiert haben (siehe Kasten). Die drei oberirdischen Linienführungen von Süden nach Westen sind zwar mit Abstand am günstigsten, aber sie führen zu grossen Teilen auf bestehenden Strassentrassees, etwa der Talacker- oder Walzmühlestrasse, durchs Quartier.

Fischer als Betroffener, nicht als Grünen-Gemeinderat

Fischer sitzt seit kurzem für die Grünen im Gemeinderat. Die Petition stehe aber in keinem Zusammenhang mit seiner Partei. Dafür hängt die Unterschriftensammlung mit Fischer als Direktbetroffenem zusammen. Er wohnt im Talbachquartier. «Unterschriften will ich vor allem im Quartier sammeln. Mitte Januar dann will Fischer dem Stadtrat «ein Stimmungsbild» an Unterschriften überreichen. Denn am 22. Januar kommen die Varianten erstmals in die Spezialkommission «Frauenfeld 2030».

Ein konkretes Ziel für die Unterschriftenzahl hat Fischer nicht. Er hat sich mit niemandem aus dem Quartier abgesprochen. Denn es pressiert. «Wir müssen jetzt in die Hosen steigen – bevor es zu spät ist.» Bereits bis nächsten März wollen sich Stadt und Kanton auf eine oder zwei Bestvarianten fokussieren. Wenn es nach Fischer geht, darf keine der drei Oberirdisch-Varianten dazugehören. «Das wäre eine reine Verkehrsverlagerung von der Innenstadt auf Quartierstrassen», sagt er. Sowieso hat Fischer das Gefühl, dass es auch «andere, günstigere Massnahmen zur Verkehrsberuhigung» der Innenstadt geben könnte – statt einer Umfahrungsstrasse. Zudem: «Vielleicht sieht der Verkehr in 20 Jahren auch komplett anders aus, und als Autofahrer wird man innerstädtisch gelenkt.»

Im Sinne einer Bestvariante könne er sich nicht zwischen den sieben Linienführungen entscheiden. Aber: «Von den 100-Millionen-Stadttunnels sind weniger betroffen.» Die drei oberirdischen Varianten dagegen hätten grosse Auswirkungen auf viele Quartierbewohner, auch schwächere Verkehrsteilnehmer. Fischer denkt zum Beispiel an die Bewohner des Alterszentrums Park oder die Schüler, die auf der Talackerstrasse mit dem Velo ins Reutenen fahren.

Schnell hat Fischer Unter­stützung erfahren von einem ­anderen Gemeinderatskollegen: Samuel Kienast, EVP. Auch er wohnt im Quartier. Mittlerweile sind die Unterschriftenbogen aus der Druckerei eingetroffen. Es kann losgehen. Denn: «Quartierstrassen den Bewohnern und nicht dem Durchgangsverkehr!», wie Petitionär Fischer unterstreicht.

Download von Unterschriftenbogen auf www.kosef.ch


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