Einheimische statt Exoten

FRAUENFELD ⋅ Der Botanische Garten inmitten der Stadt soll als Vorzeigeprojekt für die Förderung von Biodiversität florieren. Dafür sucht der kantonale Verband der Gärtner noch moralische und finanzielle Unterstützung.
07. Oktober 2017, 09:22
Samuel Koch

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thurgauerzeitung.ch

Der Vorstand fühlt sich in die Steinzeit zurückversetzt, ins Pleistozän. «Wir müssen wegkommen von diesen Steingärten», sagt Viktor Gschwend, Präsident des kantonalen Gärtnerverbands JardinSuisse Thurgau, bei der Medienorientierung am Donnerstagnachmittag. Obwohl solche Gärten pflegeleicht seien, schadeten sie der Biodiversität und damit der Vielfalt an Leben.

Ein Frauenfelder Fleck Grün soll bei einem Förderungsprojekt, das Jardin Suisse Thurgau präsentierte, dann auch zum Vorzeigeprojekt für Biodiversität mutieren: der Botanische Garten. Ziel ist es, die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten und zu fördern. So hat vor rund sieben Jahren auch Bundesbern mit zehn Zielen eine Strategie hin zu mehr Biodiversität verabschiedet.

Auf eines davon, Förderung im Siedlungsraum, fokussiert der Kantonalverband. «Vielfalt ist ein Grundpfeiler und sichert Leben auf der Erde», meint Gschwend. Obwohl die rund 90 Mitglieder des Verbands das Projekt und die damit verbundenen Kosten in Höhe von 160000 Franken bei der vergangenen Generalversammlung einstimmig gutgeheissen haben, startet die Planungsgruppe bei null. «Ausser dem Beitrag von 5000 Franken für die Planung sind wir auf Unterstützung von Privaten und Firmen angewiesen», meint Gschwend. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass das nachhaltige Projekt – auch nach Rücksprache mit der Stadt Frauenfeld – auf ideelle und finanzielle Zustimmung stösst. «Es wird ein ‹Hosenlupf› werden, aber wir sind zuversichtlich, diesen Pflock einzuschlagen», sagt Gschwend.

Grundstruktur des Gartens beibehalten

Der Botanische Garten soll für die Investitionen fachmännisch aufgewertet werden. «Aktuell sind rund die Hälfte der Pflanzen darin Exoten», sagt Projektverfasserin Mariann Künzi. Es gehe nicht darum, alle exotischen Pflanzen auszureissen oder die mächtigen Mammutbäume zu fällen, sondern Rabatten und Beete mit einheimischen Pflanzen wie Storchschnäbeln, Malven oder Glockenblumen anzureichern. Dafür eigne sich der Botanische Garten, welcher der Öffentlichkeit erst seit 2005 offenstehe und vorher als Schulgarten diente, optimal. «Die Lage in der Kantonshauptstadt, die Erreichbarkeit und der Name sind genial», ergänzt Künzi.

Der Botanische Garten unterteilt sich in fünf verschiedene Bereiche namens Blütenstaudenrabatte, Pfingstrosensammlung, Sonnen-, Jahreszeiten- oder Schattengarten. Auch Letzterer könnte mit einheimischen Pflanzen wie Geissbart, Fingerhut oder Farn aufgewertet werden. Möglich seien auch Strukturelemente wie Steine oder Holz, die wiederum der Fauna Platz bieten. Realisiert der Verband das Projekt planungsgemäss bis spätestens 2019, soll es Strahlkraft weit über den Zaun des Botanischen Gartens haben. «Handlungsbedarf besteht nicht nur in den Städten, sondern fast in jeder Gemeinde», meint Viktor Gschwend. Fachwissen sei auch für jeden Hobbygärtner erlernbar, «damit die Steinzeit aus den Thurgauer Gärten verschwindet».


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