Eine Bar zum runden Geburtstag

WARTH ⋅ Wo einst Ochsen und Pferde hausten, schenkt ein Barkeeper nun Wein und Cocktails aus. Am grossen Jubiläumstag zum 40. Geburtstag der Kartause-Stiftung wurde die Ochsenstall-Bar eingeweiht.
02. Oktober 2017, 05:18
Evi Biedermann

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Der heilige Bruno würde sich wundern: In der Kartause Ittingen gibt es neu eine Bar. Diese ­befindet sich nicht irgendwo auf dem einstigen Klosterareal, sondern just zu seinen Füssen. Dort, wo ursprünglich Ochsen ruhten, später dann Pferde. Wenige Schritte daneben thront hoch über dem Südportal die Skulptur von Bruno, dem Begründer des Kartäuserordens. Der Stallgeruch ist längst verschwunden, jetzt riecht’s im «Ochsenstall» nach «neu und edel». Je nachdem, was man bestellt, kann es auch frische Minze sein, die den Hausdrink schmückt.

Die Bar sei schon länger zur Diskussion gestanden, sagt Hoteldirektor Valentin Bot. «Hotelgäste und Kunden haben uns ­immer wieder darauf angesprochen.» Dem Anschub von aussen folgte ein Input von innen: Die Bar sollte aussergewöhnlich ­werden, beschloss die Geschäfts­leitung und setzte sich zum Ziel, nach klösterlicher Tradition der Selbstversorgung nur Weine und Edelbrände aus dem Ittinger ­Keller sowie weitere Schweizer Destillate und Spezialitäten aus anderen Klöstern anzubieten.

Die Stiftung Kartause feierte ihr 40-Jahr-Jubiläum. Am Samstag war Tag der offenen Türe. (Bilder: Donato Caspari)

Fundament auf der Erde und Risse in der Decke

Aussergewöhnlich wurden dann aber vorerst die Bauarbeiten. Der Boden, der bei früheren Sanierungsarbeiten erhöht worden war, musste auf das einstige Niveau verlegt werden. Damit erhielt der Raum seine ursprüngliche Höhe zurück. «Bei den Arbeiten zeigte sich, dass die Mauern ohne gutes Fundament auf purer Erde standen», erklärt Valentin Bot. Der fachmännische Aufbau begann einen Meter unter dem Boden. So tief musste gegraben werden, damit keine Feuchtigkeit mehr an den Wänden hochsteigen würde. Zusammen mit den nötigen Sicherungsarbeiten habe dies beträchtliche Mehrkosten verursacht, sagt Bot. Aufwendiger als erwartet erwies sich auch die Sanierung des Dachgewölbes. «Die feinen Risse mussten von Spezialisten mit Instrumenten aus der Zahntechnik restauriert werden.» Der Aufwand hat sich gelohnt, entstanden ist ein schlicht möblierter Raum, der am Samstag am Jubiläumsfest «40 Jahre Stiftung Kartause Ittingen» eingeweiht wurde. «Mit dem neuen Treffpunkt vervollständigen wir das gastronomische Angebot in der Kartause», ist der Hoteldirektor überzeugt. Gedacht nicht nur für Hotel- und Seminarbesucher, sondern auch für Gäste aus der nahen Umgebung.

Spezialitäten aus Klöstern aus aller Welt

Cocktails wie Screwdriver, Piña Colada oder Sour – danach sucht man vergebens auf der Karte. Der Barkeeper Carlos Ugarte verführt seine Gäste mit Namen wie Gartenzauber, Hortulus, Botanical Garden Gin oder Père Chartreux. Valentin Bot verweist auf das Gebot der Selbstversorgung: «Bei uns wachsen weder Orangen, Ananas noch Limetten.» Klassische Rezepturen seien deshalb unbrauchbar. Ganz verzichten auf den einen oder anderen Klassiker will man indes doch nicht. Da hilft der Griff in die Trickkiste: Statt mit Limettensaft wird der Ittinger Mojito mit Verjus gemixt, einem sauren Saft aus ausgepressten, unreifen Trauben. Auch Ittinger Weine und Bier werden ausgeschenkt. Gesucht wird auch in ausländischen Klöstern. Bislang sind je ein Whiskey aus Irland und Finnland, ein Rum aus Indien und ein Chartreuse aus Frankreich im Haus. «Es werden immer mehr», sagt Valentin Bot. Auch darüber würde Bruno sich wundern.


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