Ein Daheim gegen das Vergessen

FRAUENFELD ⋅ Ende Oktober nimmt die Glashausklinik ihren Betrieb auf. Das private Tagesklinikangebot in Erzenholz richtet sich mit verschiedenen Therapieformen an Menschen mit leichter und mittelschwerer Demenz.
06. Oktober 2017, 05:20
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Fensterfronten sind riesig, der Blick schweift über die Felder bis zu den Thurauen. Der richtige Ort für eine neue psychiatrische Tagesklinik, die sich um Menschen mit Demenz und verwandten neurologischen Erkrankungen kümmert. Ende Oktober öffnet die Glashausklinik am Rande von Erzenholz. Platz bieten die grosszügigen Räumlichkeiten für bis zu 15 Patienten. In Zukunft sollen sie von Montag bis Freitag Therapie- und Aktivierungsprogramme sowie Betreuung in Anspruch nehmen können. Halbe und ganze Tage sind möglich.

Zukünftig werden hier ein Arzt sowie sechs Therapie- und Pflegepersonen beschäftigt. Die Klinikleitung hat die Initiantin und Gerontopsychologin Sabrina Melone inne. Sie sitzt im Verwaltungsrat der Glashausklinik AG. In einer psychiatrischen Einrichtung des Kantons Zürich hat sie zuletzt die Akutstation für Menschen mit Demenz geleitet.

Früher eingreifen und den Verlauf hinauszögern

Auf besagter Akutstation war Sabrina Melone mit Patienten konfrontiert, deren Demenzerkrankungen sich oft schon im fortgeschrittenen Stadium befanden. Mit den Therapieformen in der Glashausklinik will sie früher eingreifen. Denn in vielen Fällen könne so der Verlauf einer neurodegenerativen Krankheit hinausgezögert werden. Sich länger erinnern zu können, heisst, später zu vergessen. Konkret geht es um die Bewältigung des Alltags. Nicht zuletzt werden so auch betreuende Angehörige entlastet.

Die vorhandenen Ressourcen der Patienten sollen genutzt und gefördert werden. Ambulant vor stationär: Das entspricht aktueller Alterspolitik. Damit der Eintritt in die stationäre Langzeitpflege hinausgezögert werden kann. Ist aber die Demenzerkrankung stark fortgeschritten, werde ein Übertritt in eine Pflegeeinrichtung irgendwann unumgänglich. Für stationäre Pflege sei die Glashausklinik nicht ausgerichtet, sagt Sabrina Melone. Und was der Klinikdirektorin auch wichtig ist: «Wir sprechen hier nicht von Patienten, sondern von Gästen.» Der Ort solle ein zweites Daheim sein für die Gäste. Ein Daheim, das sich Gäste leisten wollen. Die Betreiber sehen ihre Klinik als Erweiterung der bereits bestehenden Angebote. «Wir richten uns an Menschen, die eine private, individuelle Therapie suchen, und bieten dazu das passende Ambiente.» Als Privatklinik verzichte man auf kantonale Gelder, die Kosten würden jedoch zum Teil von der Krankenkasse übernommen.

Die Idee für eine Tagesklinik hatte Sabrina Melone schon länger. Dass es schliesslich Frauenfeld wurde, war ein glücklicher Zufall. Die bereits bestehende Liegenschaft in Erzenholz war schon als Klinik konzipiert und passte perfekt. Und für Alessio Napoli, der auch Einsitz hat im Verwaltungsrat der AG, wurde es zum Heimspiel. Denn der Investorenbetreuer stammt aus der Wirtefamilie, die das «Barbarossa» in Frauenfeld führt. Napoli hat mehrere Investoren aus der Region von diesem Privatklinikprojekt überzeugt. «Für sie ist es eine Herzensangelegenheit, weil jeder schon einmal mit dem Thema Demenz zu tun hatte.»

www.glashausklinik.ch


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