Die Fernseh-Macher

STECKBORN ⋅ Das Lokalfernsehen Steckborn feiert sein 25-Jahr-Jubiläum. Martin Hess und Kurt Krucker waren von Anfang an dabei. Sie erzählen von der technischen Entwicklung und einem nächtlichen Interview mit Polo Hofer.
08. Februar 2018, 05:19
Rahel Haag

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Ein schmales Strässchen führt zum Haus mit der Nummer sechs. Ein Storch ziert seine Fassade. Vor dem Gartentor steht ein Roller, auf dem Zaun sitzt eine Krähe. Im ehemaligen Kindergarten Storchen ist das Lokalfernsehen Steckborn daheim.

Martin Hess schüttelt den Kopf. Vor 25 Jahren, als sie den Verein Lokalfernsehen Steckborn (LFS) gegründet haben, hätten sie nicht gedacht, dass sie dieses Jubiläum einmal feiern könnten. «Deshalb haben wir auch unser Zehnjähriges schon relativ gross gefeiert», sagt der 65-jährige Vereinspräsident und lächelt. Von Anfang an dabei war auch Kurt Krucker. «Und wir beide machen es noch etwa zehn Jahre», sagt der 73-jährige.

Das 14-köpfige Kernteam arbeitet unentgeltlich und in der Freizeit. Als er noch arbeitete, habe er jeweils am Wochenende gefilmt und nachts geschnitten. «Man muss Freude haben, dass man das macht», sagt Krucker.

Das Interview im düsteren Partyzelt

Die beiden haben in den vergangenen 25 Jahren viel miteinander erlebt. Ein persönlicher Höhepunkt war das Interview mit Polo Hofer im Jahr 2010. Er sei damals an einer Party aufgetreten. «Währenddessen haben wir Rotwein getrunken», sagt Hess. Um ein Uhr nachts habe dann das Interview stattgefunden. Auch Polo Hofer selbst sei zu diesem Zeitpunkt schon «guet zwäg» gewesen. Hess lacht. Erschwerend kam hinzu, dass es in dem Partyzelt nur eine Glühlampe gab und nebenan eine Band spielte. Sie hätten Hofer unter jener Lampe platziert «damit man ihn überhaupt sieht», sagt Krucker und schmunzelt. Er habe die Kamera bedient und Hess habe die Fragen gestellt. «Wegen des Lärms haben wir uns gegenseitig kaum verstanden.» Das Endprodukt, das sie sich später zu Hause angeschaut hätten, sei aber überraschend gut herausgekommen.

Super-VHS-Kassetten und DVDs bevölkern das Archiv

In einem Nebenraum befindet sich das Archiv. In einem wandhohen Regal reihen sich super VHS-Kassetten and DVDs. Hier wird die technische Entwicklung des vergangenen Vierteljahrhunderts sichtbar. «Heute speichern wir die Sendungen als Dateien auf Festplatten», sagt Hess. Das technische Wissen hätten sie sich «learning by doing» angeeignet. Die mittlerweile 84-jährige Filmemacherin Yvonne Escher, die auch heute noch Beiträge für das LFS realisiert, habe sie stark unterstützt.

Die Sendungen des LFS werden jeweils am Dienstag und Mittwoch ausgestrahlt. Dazu gehören einmal im Monat die Formate «lokal aktuell», «Ein Platz für Tiere» und «Talk im Storchen». Am Wochenende und montags werden im Wechsel Sendungen des LFS und dessen Partnersenders Kreuzlinger Fernsehen gezeigt. Seit gut einem Jahr sind Beiträge auch über die Website abrufbar. Zuschauerzahlen können nicht erhoben werden. Rückmeldungen bekommt der Verein aber aus der ganzen Welt. «Erst kürzlich hat sich ein ausgewanderter Heimweh-Steckborner aus Thailand bei uns gemeldet», sagt Hess.


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