Der Schreiner, der keiner ist

KALTENBACH ⋅ Anfang Jahr gründete Dominic Frei seine eigene Firma namens Werkstoffen. Seither stellt er Möbel und andere Einrichtungsgegenstände aus Altholz her. Das macht jedes seiner Stücke zu einem Unikat.
10. April 2018, 05:18
Rahel Haag

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Es hängt Staub in der Luft, der sich auf den Maschinen und dem Boden absetzt. Wie im Schnee sind Fussspuren zu erkennen. Es riecht nach geschnittenem Holz. Dominic Frei kommt aus dem kleinen Büro in einer der Ecken der Werkstatt. Anfang Jahr hat er die Firma Werkstoffen gegründet. Nun stellt er Möbel und Wohnaccessoires im Vintage-, Retro- und Industrial-Stil her.

«Ich bin kein Schreiner», Frei schüttelt den Kopf. Das sei immer die erste Frage, die ihm gestellt werde. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Studium in Betriebsökonomie wollte er das tun, was er gerne macht. Damals habe er ausprobiert, unter anderem hat er temporär im Holz- und Gartenbau gearbeitet. «Ich habe schon als Kind immer geschraubt und mich handwerklich betätigt», sagt der 27-Jährige.

Mit acht oder neun Jahren hat er einen Teil einer Fingerbeere verloren. Damals habe er sich bei seinem Grossvater an dessen Schleifmaschine versucht. Abgehalten hat ihn der Zwischenfall nicht. «Im Gegenteil», sagt er. Das Handwerk sei eben seine Leidenschaft. Er lächelt. Das nötige Fachwissen hat sich Frei selbstständig erarbeitet – ein Prozess, der stetig weitergehe. Zusätzlich wird er von seinem Vater unterstützt. Vor allem am Wochenende greift ihm der gelernte Modellschreiner und heutige Ingenieur unter die Arme.

Ein Bett aus 100-jährigen Fichtenholzbalken

Mit «Werkstoffen» setzt Dominic Frei auf Nachhaltigkeit und Upcycling. So verwendet er für seine Möbel und Einrichtungsgegenstände ausschliesslich Schweizer Holz oder Altholz. Letzteres findet er unter anderem bei alten Bauernhäusern, die abgebrochen oder umgebaut werden. «Wenn ich im Vorbeifahren einen Bagger sehe, frage ich nach, ob es etwas gibt», sagt er und lächelt. So sei er zu über 100-jährigen Fichtenholzbalken gekommen. Aus ihnen entstand ein Bett.

Doch das Material erfordert viel Arbeit. Zuerst muss er darauf achten, dass es nicht zu stark vom Holzwurm befallen ist, und es anschliessend behandeln. Dann muss er das Holz noch entnageln, sprich von sämtlichen alten und rostigen Nägeln befreien. «Sonst leidet später die Hobelmaschine», sagt er. Erst dann kann etwas Neues entstehen.

Nebst Holz verwendet Frei zudem Metall. Ein Material, das ihm besonders gut gefällt. «Allein wegen der Haptik.» Auch in diesem Bereich arbeitet er teilweise mit einem Metallbauer zusammen. Sämtliche Möbel entstehen in Schweizer Handarbeit, «die man aber bezahlen kann». Denn dadurch, dass er alles selber produziere, könne er die Kosten tief halten.

Möbel und Objekte, die ein Leben lang halten

Es ist nicht Freis Wunsch mit der Idee, reich zu werden. Seine Objekte sollen Freude machen und ein Leben lang halten. «Ich will etwas schaffen, das man später seinen Kindern weitergibt», sagt er, der im vergangenen Jahr selber Vater geworden ist. Sein Sohn habe vieles in seinem Leben verändert. «Die finanzielle Sicherheit ist wichtiger geworden.» Noch kann er nicht vom Verkauf seiner Einrichtungsgegenstände leben. Deshalb habe er zusätzlich einen Teilzeit-Bürojob.

«Auf mein Angebot hat niemand gewartet», sagt Dominic Frei, «aber man merkt, dass die Idee Anklang findet.» Er wolle eine Alternative bieten zur Massenproduktion im Bereich Möbel. «Der Fokus liegt auf Unikaten, Kleinserien und Sonderanfertigungen», sagt er. Dementsprechend können sich Kunden auch mit konkreten Wünschen und Vorstellungen an ihn wenden. «Machbar ist alles.» Passt ein Möbelstück ins Konzept, nimmt er es später in seinen Shop auf, wie beispielsweise die Babywiege aus Arvenholz, die er für eine Kundin hergestellt hat. Noch stammen viele seiner Kunden aus dem erweiterten Bekanntenkreis, «doch auch die Mundpropaganda hat bereits erste Früchte getragen», fügt er an und lächelt.

Hinweis Weitere Infos im Internet unter: www.werkstoffen.ch


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