Ausgerechnet nach Bethlehem

GACHNANG ⋅ Seit 2004 war Ruedi Heim als Bischofsvikar auch für die Thurgauer Pfarreien zuständig. Nun wechselt der 50-jährige Theologe nach Bern. Dort wird er Co-Dekan und Gemeindepfarrer.
09. Februar 2018, 05:19
Stefan Hilzinger

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Der schnittige Alfa ist eine Reminiszenz an Rom. Fünf Jahr studierte Ruedi Heim Theologie in der Ewigen Stadt. Seither verbringt er seine Skiferien auch meist im Vinschgau. "Wir Priesteranwärter genossen dort Sportwochen zu günstigen Bedingungen. Als Gegenleistung hielten wir im Dorf die Messe", sagt Heim. Für eine Woche im Schnee samt Messen blieb dem gebürtigen Gachnanger auch jetzt wieder Zeit, bevor er dann Anfang März seinen neue Stelle in Bern antritt. Seit Juli 2004 war Heim Bischofsvikar der Region St. Viktor im Bistum Basel und damit auch für die Pfarreien seiner Heimat zuständig. Unter dem damaligen Bischof Kurt Koch wurde die Diözese neu organisiert und in drei Regionen aufgeteilt. Jede Region erhielt einen Bischofsvikar als Stellvertreter des Bischofs, eingebunden in ein Team.
 

Motivator bei der Bildung von Pastoralräumen

Heim war in den vergangenen Jahren oft für Firmungen im Thurgau anzutreffen. Viel häufiger aber hatte er vom Vierwaldstättersee bis zum Bodensee mit der Bildung von Pastoralräumen zu tun – oder aber er vermittelte in Streitfällen zwischen der Pfarrei und ihren Seelsorgenden, etwa jüngst in Kreuzlingen. Der Zusammenschluss zu Pastoralräumen – ohne, dass die Pfarreien zwingend fusionieren müssen – greift in gewachsene Strukturen und alte Gewohnheiten ein. "Das wird nicht überall gern gesehen, gerade in ländlichen Regionen nicht", sagt Heim. Doch es sei für die katholische Kirche schlicht eine Notwendigkeit angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen und des sichtlichen Personalmangels. "Grössere Teams stellen eine verbindlichere Zusammenarbeit sicher zu Gunsten der Gläubigen", sagt Heim. Seine hauptsächliche Aufgabe sei es gewesen, die Pfarreien und Kirchgemeinden zur Zusammenarbeit zu bewegen. "Der Personalmangel hilft als Argument. Wir möchten vermeiden, dass Priester über 70 Jahren immer noch voll arbeiten müssen."
 

Ein gewollter Abstieg in der Kirchenhierarchie

Als Papst Benedikt 2010 Bischof Koch zum Kardinal ernannte, war Bischofsvikar Heim gar als potenzieller Nachfolger im Gespräch. Er ist gottenfroh, dass es nicht soweit gekommen ist. Sein Wechsel von der Zweigstelle der Diözese Basel in Luzern in die Stadtberner Quartiere Bümpliz und Bethlehem als leitender Priester ist genau genommen ein Abstieg in der Kirchenhierarchie. Doch ein gewollter, wie er mit einem Lachen bemerkt. "Wenn ich von mir aus nichts unternommen hätte, würde ich wohl bis auf Weiteres Bischofsvikar bleiben." Er finde es ohnehin besser, wenn jemand nicht zum Sesselkleber wird. Nun freut er sich, in seinen Pfarreien wieder Taufen, Hochzeiten und auch Abdankungen feiern zu dürfen. "Das kam zu kurz." Zudem wird er zu 60 Prozent Co-Dekan für Stadt und Agglomeration Bern. Mit 70000 Gläubigen ist dies im Bistum Basel der grösste Pastoralraum überhaupt.

Für die katholische Kirche ist der Kanton Bern Diaspora. Die Anhänger Roms sind eine Minderheit. Sie mussten neben den Reformierten lange für Anerkennung kämpfen. "Ich bin überzeugt von der Botschaft. Kirche und Glauben müssen öffentlich bleiben", sagt Heim. Vieles werde heute als Heilsweg verkauft, sogar der Gang ins Fitnessstudio. Kirche stelle ein Angebot dar für alle. Sie soll helfen, das Leben besser zu bewältigen. "In guten wie in schlechten Zeiten. Dazu gehört für mich auch, dass sich in Glaubensfragen nicht immer alle zu hundert Prozent einig sind."


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