Jedes zweite Matzinger Haus eine Wirtschaft

Von einstmals neun Matzinger Gaststätten sind sechs verschwunden. Der Lokalhistoriker Ferdinand Stutz erzählt ihre Geschichte.
28. Juni 2012, 01:37

MATZINGEN. Der Historiker Ferdinand Stutz hat das Dorfmuseum Matzingen mit einem gut dokumentierten und amüsant geschriebenen Buch über die Gaststätten der Gemeinde beschenkt. Die umfangreiche Arbeit wurde explizit auf die Sonderausstellung im Dorfmuseum fertiggestellt. Stutz lebt in Andelfingen, ist aber in Matzingen aufgewachsen. Aus seiner Feder stammen weitere Schriften über die Matzinger Geschichte, unter anderem über die alte Mühle, die ehemalige Hafnerei und das Hochwasser von 1876.

Das neueste Werk berichtet über den Wandel, der sich aus Gründen der veränderten Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Einwohner für das Gastwirtschaftswesen ergab. Von neun Gasthäusern verschwanden deren sechs: «Sonne», «Station», «Frohsinn», «Murgtal», «Neubrücke» und «Freihof» – trotz einer ungleich viel höheren Einwohnerzahl.

Das Restaurant Sonne, an der St. Gallerstrasse gelegen, wo heute ein modernes Geschäftshaus steht, war das älteste; es wurde bereits im 12. Jahrhundert erwähnt. In der Taverne Murgtal ritzte man die ausstehenden Beträge der Kunden in Holzstücke ein; deshalb wurde sie auch Knebelhütte genannt. Träfe Sprüche, lustige Anekdoten und eine Reihe von Spottversen regen zum Schmunzeln an, zum Beispiel einer über die Unmenge von Beizen, die man einst bei der Ankunft in Matzingen vorfand: Steigt man aus dem Eisenbahnwagen, muss man nicht nach Wirtschaften fragen, denn vor jedem zweiten Haus hängt ein Wirtschaftsschild heraus. Oder über das «Nobelhotel» Sonne: Hät ein Geld nöd grad wie Dreck, bleibt er vom Hotel Sonne weg.

Die Sonderausstellung im Dorfmuseum widmet sich diesen Gasthausgeschichten. Hier ist auch Stutz' Werk erhältlich. (red.)

Dorfmuseum, geöffnet Sonntag, 1. Juli, 14 bis 17 Uhr. Im August geschlossen. Nachher wieder jeden ersten Sonntag im Monat offen.

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