Gericht entscheidet gegen Gegner

THUNDORF ⋅ Das Thurgauer Verwaltungsgericht hat bei der geplanten Mobilfunkantenne beim Entsorgungsplatz alle Beschwerden abgewiesen. Dennoch hält die «IG lebenswertes Thundorf» an ihrer Opposition fest.
27. April 2017, 07:46
Samuel Koch

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Der Entscheid des Thurgauer Verwaltungsgerichts ist nur eine gefühlte Niederlage. Eine gefühlte Niederlage für die Gegner der geplanten Handyantenne von Salt beim Thundorfer Entsorgungsplatz. «Die Ablehnung der Beschwerde verändert die Ausgangslage nicht», sagt Bruno Ambrosetti von der «IG lebenswertes Thundorf». Denn zusammen mit Dutzenden Stimmbürgern hat er sich mittels Unterschriften, einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung und an den Gemeinderat gerichteten Anträgen zur Wehr gesetzt.

Vergangene Woche hat sich die IG zuletzt für die weitere Strategie getroffen. «Hauptziel ist nach wie vor, dass jetzt alle Anträge umgesetzt werden», sagt Ambrosetti. Zudem sei ein Treffen mit der Gemeinde und mit Salt geplant, «um die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen zu besprechen». Dabei hoffen die Mitglieder der IG, dass Salt zu alternativen Lösungen Bereitschaft signalisiert.

«Keine Störungswirkung zu erwarten»

Für den Beschwerdeführer Dölf Küng hingegen, der am selben Strick zieht wie die IG und direkt vis-à-vis des Entsorgungsplatzes wohnt, ist der Entscheid des Verwaltungsgerichts eine Enttäuschung. «Für mich ist das unfair», sagt Küng. Über sämtliche neun Beschwerdepunkte richtet das Verwaltungsgericht zu Ungunsten Küngs. So monierte er etwa erfolglos, dass der Bau «einer 25 Meter hohen Mobilfunkantenne von weither sichtbar wäre, was dem Ortsbild von regionaler Bedeutung krass zuwider laufe». Die kantonale Denkmalpflege war in ihrem Bericht anderer Meinung. So beurteilte sie, dass von den geschützten Objekten «keine direkte Sichtverbindung zur geplanten Antenne besteht und damit auch keine Störungswirkung zu erwarten ist». Zudem werde sich die geplante Antenne neben hohen Bäumen, Strassenlampen, Kaminen und Dachantennen «verhältnismässig gut in die Umgebung einfügen». Auch deshalb weist das Verwaltungsgericht diese Teilbeschwerde ab.

Ebenso erweise sich die Beschwerde Küngs gestützt auf einem Bundesgerichtsentscheid als unbegründet, dass die Strahlung der Handyantenne sich negativ auf Tiere und Pflanzen auswirkt. Das Bundesgericht habe in seinem Entscheid darauf hingewiesen, dass «im Moment keine wissenschaftlichen Studien über die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung auf Tiere und Pflanzen vorhanden» seien.

Gemeinderat steht in der Pflicht

Trotz negativer Post seitens des Verwaltungsgerichts aus Weinfelden ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Ob Küng den Entscheid bis vors Bundesgericht nach Lausanne weiterzieht, weiss er noch nicht. Er werde sich jetzt zuerst mit dem Strahlenexperten Stefan Zbornik und seinem Rechtsvertreter kurzschliessen und das weitere Vorgehen besprechen.

Unabhängig davon steht der Gemeinderat um Alois Hersche dank der Mehrheit bei sämtlichen Anträgen bei der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in der Pflicht. So muss der Gemeinderat zukünftig im örtlichen Baureglement sowie im Zonen- und Richtplan regeln, wo im Dorf und wie Mobilfunkanlagen gebaut werden dürfen. Zudem muss der Gemeinderat «unverzüglich alle notwendigen Massnahmen treffen», um sowohl den Vertrag mit Salt für den Standort am Entsorgungsplatz nicht und auch denjenigen für die geplante Handyantenne bei der Hauptstrasse gegenüber der Schule nicht erfüllen beziehungsweise nicht bewilligen zu müssen. Und letztlich hat der Gemeinderat eine paritätische Kommission einzuberufen. Gemäss Gemeindepräsident Alois Hersche sind die Gespräche im Gemeinderat in Gang. «Wir haben auch Salt kontaktiert, bisher aber noch nichts gehört», meint Hersche. Zudem suche die Behörde den Kontakt mit den IG-Vertretern und werde aus dem Gemeinderat jemanden bestimmen, der sich den Aufgaben annehmen wird, ebenso für die paritätische Kommission. Als ermüdend sieht Hersche die Angelegenheit nicht, eher «als emotional belastend».

Die «IG lebenswertes Thundorf» hält weiter an ihrer Opposition fest. Und sollte die Antenne irgendwann dennoch beim Entsorgungsplatz zu stehen kommen, gibt es für Dölf Küng nur eine Lösung: «Dann muss ich aus Thundorf fliehen.»


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