Die Holzbrücke und ihre Anekdoten

DIESSENHOFEN ⋅ Den 200. Geburtstag feierte die Rheinbrücke schon im vergangenen Jahr. Das Jubiläum wirkt aber nach, so dass die Ausstellung im Rathauskeller bis im Juni verlängert wird.
25. März 2017, 05:42
Ernst Hunkeler

Angeregt, konzipiert und gestaltet hat der pensionierte Festungswächter und Stadtführer Erwin Müller die Ausstellung. Eigentlich hätte sie Ende 2016 geschlossen werden sollen, doch die rege Nachfrage erwirkte eine Verlängerung bis Mitte Jahr, und Müller stellte sich zur Verfügung, die Schau an vier Terminen nochmals zu betreuen. Betreuen heisst für ihn, die Gäste auf eine ebenso umfassende wie lebendige Zeitreise durch die Epochen der Diessenhofer Rheinübergänge mitzunehmen. Im Zentrum stehen dabei die Geschehnisse um die Niederbrennung der alten Brücke im Jahr 1799, die eingebrochene Notbrücke aus Tannenholz und die wechselvolle Geschichte der 1816 fertiggestellten Brücke.

Was sich hier so trocken liest, wird anhand der von Müller gestalteten Schautafeln, dem eindrücklichen Diorama zum Thema «Diessenhofen und die historische Ledischifffahrt» sowie des Originalmodells der jetzigen Rheinbrücke veranschaulicht. Erwin Müller weiss zu jedem Bild, jeder Epoche der Rheinübergänge und der Schifffahrt Spannendes zu erzählen. Etwa von der Brücke als Hindernis für die Schifffahrt und den diversen Kähnen, die an einem der fünf Joche hängen geblieben sind. Um den Dampfern auch bei Hochwasser freie Fahrt zu gewährleisten zu können, stand im 19. Jahrhundert der Umbau in eine Hubbrücke nach holländischem Vorbild zur Debatte. Doch der Plan wurde verworfen, die Brücke im Jahr 1856 aber immerhin um 78 Zentimeter angehoben.

Diese Geschichten lassen die Ausstellung fast zu einem Muss werden. Wie jene des Fallgatters, das bis vor wenigen Jahren beim Diessenhofer Brückenzugang per Handkurbel abgesenkt werden konnte und 1981 bei einer Funktionsprobe zu einer mehrstündigen Verkehrsumleitung über Schaffhausen führte, weil es sich nicht mehr hochziehen liess. Von Verteidigungsanlagen entlang des Rheins ab dem Zweiten Weltkrieg ist die Rede, von der Bombardierung des jenseitigen Brückenkopfes und dem Steinbrocken, der nach Diessenhofen geschleudert wurde und dort ein Haus durchschlug.

Ernst Hunkeler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Weitere Termine: Fr, 28. April, 18–20 Uhr; Sa, 20. Mai, 10–12 Uhr und So, 11. Juni 14–16 Uhr; oder nach Absprache unter 052 657 38 58.


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