Der Wellengang beruhigt sich

UNTERSEE ⋅ Die Flotte der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh) fährt wieder in sicheren Gewässern. Die Sanierung ist beinahe abgeschlossen, nachdem die Mitarbeiter dem neuen Arbeitsvertrag zugestimmt haben.
23. Dezember 2016, 08:22
Samuel Koch

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Der Gegenwind hat nachgelassen, der Sturm für die URh ist vor­über. Monatelang herrschten trübe Aussichten von der Führerkabine herab über den Bug. Im vergangenen Mai hatte der URh-Führung um Verwaltungsratspräsident Reto Dubach eine Drei-Säulen-Strategie vorgestellt und vor den Aktionären durchgebracht, um die defizitäre URh wieder auf Vordermann zu bringen (siehe Infokasten).

Jetzt sind die Schiffe wieder flott und bereit für die nächste Saison. Denn die Mitarbeiter und die zuständige Gewerkschaft SEV haben nach wochenlangen Verhandlungen dem neuen Firmenarbeitsvertrag zugestimmt. «Alle sind froh und schnaufen auf, dass eine Einigung erzielt worden ist», sagt SEV-Regionalsekretär Felix Birchler. Seit dem Sommer sei die Unsicherheit beim Personal gross gewesen und das Verhältnis mit dem Verwaltungsrat sehr belastet. Jetzt ist klar: Die Löhne bleiben auf demselben Niveau, die Ferientage unverändert und auch die Dienstaltersgeschenke bleiben bestehen. «Auch die bezahlten Wegzeiten bleiben gleich», sagt Birchler. Bei den Zeitgutschriften etwa bei Extrafahrten oder Zulagen bei Nachtfahrten wie dem Kreuzlinger Seenachtsfest sei das Personal dem Arbeitgeber jedoch entgegengekommen. «Primär geht es um eine Effizienzsteigerung», meint Birchler, und das habe das Personal so auch gewollt. So werde etwa beim Aufrüsten der Schiffe vor der Abfahrt langfristig Zeit eingespart. Zudem ermögliche Kreuzlingen als zweiten Dienstort nebst Schaffhausen eine produktivere Einteilung der Mitarbeiter. «Wir sind zufrieden, und die Mitarbeiter schauen erleichtert vorwärts auf die Saison 2017», sagt Birchler. Der neue Vertrag laufe mindestens für zwei Jahre und werde automatisch verlängert, solange beide Parteien zufrieden seien.

Genügend flüssige Mittel für technische Erneuerung

Zufrieden zeigt sich auch der Verwaltungsratspräsident Reto Dubach: «Die URh ist wieder nachhaltig fit und so voll auf Kurs.» Die Ziele seien grosso modo erreicht worden, obwohl die Verhandlungen zuletzt hart gewesen seien. «Sie waren aber auch jederzeit fair, und das ist für das Personal positiv zu werten», sagt Dubach. Die drei Säulen der im Mai vorgegebenen Strategie würden stehen und «damit auch die Chancen, dass sich der Betrieb wieder selber finanzieren kann».

Erstens spare die URh mit den getroffenen Massnahmen, von denen die meisten schon umgesetzt werden konnten, jährlich die anvisierte halbe Million Franken. Zweitens sei die URh beim Verkauf des neuen Aktienkapitals «ein gutes Stück vorwärts gekommen». Und auch die Kantone Thurgau und Schaffhausen hätten mit ihren zinslosen Darlehen zu einer verbesserten Finanzlage beigetragen. «So haben wir genügend flüssige Mittel, um die Schiffe Schaffhausen und Arenenberg technisch zu erneuern», sagt Dubach.

Nachfolge im Verwaltungsrat noch offen

Mit dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung endet auch die Arbeit von Benno Gmür als Sanierer bei der URh. «Es folgen noch einzelne Abschlussarbeiten, aber die URh-Saison 2017 startet sicher ohne Gmür», meint Dubach. Wie jedes Jahr hofft er auf gutes Wetter und einen für die URh idealen Wasserstand. «Es braucht aber auch eine stabile Währung, damit mehr deutsche Fahrgäste zu uns kommen», meint Dubach, der per Ende Jahr mit dem Rücktritt als Schaffhauser Regierungsrat als URh-Verwaltungsratspräsident demissioniert.

Wer sein Nachfolger wird, ist noch offen. Dubach verrät, dass er sich bereits mit seinem Thurgauer Pendant Walter Schönholzer ausgetauscht habe. «Fix ist aber noch nichts.» Er macht aber keinen Hehl daraus, dass Steckborns Stadtpräsident Roger Forrer als jetziger Vize gute Chancen habe.


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