Biken gegen die Angst

DIESSENHOFEN. Der Diessenhofer Simon Bühler ist Präsident des Vereins Bike-Lords und führt zusammen mit dem Schlattinger Elternrat die neue Bike-Anlage bei der Kiesgrube in Schlattingen. Im Interview spricht er über Rückenpanzer, Disziplin und Lärm.
03. Oktober 2012, 07:50

Simon Bühler, Ihr Verein nennt sich Bike-Lords, seid ihr wirklich so gut, das ihr euch so nennt?

Simon Bühler: Ja, das sind wir. Ich fahre seit meinem achten Lebensjahr Bike (BMX-Velo). Das sind jetzt schon 15 Jahre. Ausserdem haben wir den ersten Bike-Park in der Ostschweiz gebaut. Er steht auf dem Rodenberg oben.

Seit wann gibt es euren Verein?

Bühler: Seit 2007. Wir haben den Verein gegründet, nachdem wir die Bike-Anlage auf dem Rodenberg gebaut haben. Es kamen immer mehr Biker auf die Anlage und wir mussten aus versicherungstechnischen Gründen einen Verein gründen. So wurde beispielsweise für die Anlage eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen – die Fahrer mussten zusätzlich unfallversichert sein.

Wie viele Mitglieder habt ihr?

Bühler: Wir haben zehn aktive Mitglieder und dreissig Passivmitglieder. Diese sind Sponsoren, die unsere Sache gut finden und uns helfen wollen.

Ihr seid aber nicht viele im Verein?

Bühler: Jetzt, nachdem wir zusammen mit dem Zivilschutz die neu Bike-Anlage Kiesgrube Rootlebuck in Schlattingen gebaut haben, hoffen wir, dass sich viele Jugendliche aus der Region anmelden werden…

Jugendliche? Ist Biken nicht zu gefährlich für die jungen Leute?

Bühler: Vieles, das unkontrolliert ausgeübt wird, ist gefährlich. Snowboarden, Auto fahren, Eishockey und Fussball, überall kann man sich ebenfalls verletzten…

Aber da steigt man nicht gleich ein, sondern übt zuerst…

Bühler: Das ist bei uns auch so. Allen Kids, die unserem Verein beitreten, bringen wir das Biken bei. Wichtig ist, dass man ein Trainingsgelände hat, wo sich die Kids Schritt für Schritt steigern können. Und dafür haben wir auf der neuen Anlage die besten Bedingungen. Zudem arbeiten wir für die neue Anlage mit dem Elternrat und den Behörden der Gemeinde ein Reglement aus.

Was für ein Reglement?

Bühler: Die Vereinsmitglieder dürfen nur an geregelten Zeiten mit ihren Bikes auf die neue Bike-Anlage. Ausserdem muss mindestens eine erwachsene Person anwesend sein – entweder vom Elternrat oder jemand von uns –, wenn die Kids auf der Piste gehen.

Welche Voraussetzungen müssen die Jugendlichen erfüllen – ausser Mitglied des Verein zu sein –, dass sie auf die Piste können?

Bühler: Voraussetzungen sind ein taugliches Bike und mindestens ein Helm. Knieschoner und ein Rückenpanzer wären natürlich wünschenswert, aber nicht obligatorisch.

Was können Jugendliche beim Ausüben dieser Sportart lernen?

Bühler: Sie lernen hier vor allem Disziplin und Ausdauer. Sie lernen, dass man sich lange vorbereiten muss und hart an sich arbeiten muss, wenn man etwas verwirklichen will. Ausserdem lernen sie mit ihrer Angst umzugehen. Vor allem für Jugendliche, die beispielsweise Prüfungsangst haben, ist das ideal, denn auf der Bike-Anlage lernen sie, ihre Angst zu überwinden. Wenn man nach einiger Zeit Fortschritte macht, gibt das einem Bestätigung und Freude.

Bei der Bike-Anlage am Rodenberg gab es viele kritische Stimmen. War das bei der neuen Bike-Anlage auch der Fall?

Bühler: Ja. Einige Anwohner befürchteten, dass auf der Bike-Anlage Kiesgrube Rootlebuck ein Jugendtreff entsteht, die Kids Abfallberge hinterlassen und grossen Lärm machen. Ausserdem befürchteten sie, dass Jugendliche von ausserhalb hierher kommen. Dies wird aber nicht vorkommen, denn, nur wer bei uns im Verein ist, kann auf die Anlage. Ausserdem hatten wir in den vergangenen Jahren am Rodenberg nie Probleme mit den Anwohnern. Keiner von ihnen hat sich jemals wegen Lärm oder Abfall beschwert.

Interview: Gjon David


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