Ausstellung würdigt Botaniker

ERMATINGEN. Der Schweizer Botaniker Eugen Baumann erforschte die Pflanzenwelt des Untersees und lebte deshalb von 1905 bis 1910 in Ermatingen. Eine Wanderausstellung zeigt, wie innovativ der Forscher arbeitete.
07. Juli 2012, 08:45
GUDRUN ENDERS

Eugen Baumann als van Gogh der Botanik. Diesen Vergleich wagte Biologe Michael Dienst von der Arbeitsgemeinschaft Bodenseeufer, die die Ausstellung erarbeitete. Der Botaniker Baumann legte vor 100 Jahren eine geniale Doktorarbeit vor, schilderte die Fundstellen der Pflanzen in leuchtenden Farben. Er betrieb Ökologie, bevor sich diese Fachrichtung etablierte.

Als Mensch dagegen war er kompliziert. Wie van Gogh schrieb Baumann täglich Briefe, allerdings nicht an seinen Bruder, sondern an seinen Unterstützer Otto Nägeli. Der berühmte Mediziner stammte aus Ermatingen. Nun vermuten die Ausstellungsmacher, dass Baumann die fünf Jahre in Ermatingen im Haus von Nägelis Mutter lebte. In dieser Zeit nahm er die Flora des Untersees detailliert und systematisch auf.

Eine Pionierleistung

Dank Baumanns 554 Seiten starker Doktorarbeit lässt sich die Vegetation des Untersees vor 100 Jahren rekonstruieren. Eine Pionierleistung, die nun mit der Wanderausstellung gewürdigt wird. Zur Eröffnung gestern Freitag kam Regierungsrat Jakob Stark eigens nach Ermatingen: «Meine eigene Doktorarbeit ist ganz ordentlich geraten, aber ich glaube kaum, dass ihr im Jahr 2093 eine Sonderausstellung gewidmet wird.»

Gemeindeammann Martin Stuber nutzte den Auftakt, um Ermatingen als schönstes und ältestes Dorf des Thurgaus zu preisen. Auch für Ueli Spreiter von Ermatinger Tourismus war das ein gefreuter Anlass, steht doch die Wanderausstellung bis Ende August im Bahnhof – praktisch zu Gast bei den Touristikern. Geöffnet ist wochentags von 6.15 bis 19 Uhr, am Wochenende sowie feiertags von 8 bis 18 Uhr. Nach dem Start in Ermatingen wird die Wanderausstellung rund ein Jahr um den Untersee touren und unter anderem in Kreuzlingen, Frauenfeld oder Konstanz gezeigt.

Das liebe Geld

«Warum geben wir Geld dafür aus?» Rolf Niederer arbeitet beim Kanton für Natur und Landschaft und gab gleich die Antwort: «Das Gesetz verlangt es.» Zum Beispiel wächst das Bodensee-Vergissmeinnicht, eine der seltensten Pflanzen der Schweiz, am Untersee. «Dank Baumann verfügen wir über 100jährige Daten.» Zudem wird seit 30 Jahren ein intensives Monitoring betrieben, ein schweizweites Vorzeigebeispiel. Niederer weiss: «Die Datenreihe ist so wertvoll, das sie fortgeführt wird. Bern zahlt das meiste.»


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