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Tagblatt Online, 24. Mai 2012 01:07:00

«Wir machen kein Altersturnen»

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Strecken, bis es nicht mehr weitergeht: Der Medizinball sorgt mit seinem Gewicht schnell für müde Arme. (Bild: Maya Mussilier)

ERLEN. Die Gymfit-Frauen aus Erlen sind eine wilde Gruppe. Frei von Vereinsverpflichtungen halten sie sich unter der Leitung von Katja Züblin fit. «Die besten Ideen für neue Übungen habe ich, wenn ich zu Musik putze», sagt sie.

MAYA MUSSILIER

Rasante Musik kommt aus den Lautsprechern in der Turnhalle. Elf Frauen stehen im Kreis und schwingen im Takt ihre Arme, zwei Kegel in den Händen. Dann werden sie zu Indianern und tanzen entsprechend um das «Kegelfeuer» herum. Die Einlaufrunde ist vorbei und die Frauen wischen sich den Schweiss von der Stirn. Während jemand bemerkt: «Heute ist in der Halle die Luft aber sehr trocken», löschen zwei andere ihren gröbsten Durst mit einem Schluck aus der Wasserflasche. Dann geht es auch schon wieder weiter.

Keine Vereinsverpflichtungen

Jeden Mittwoch trifft sich die Gymfit-Runde in der Turnhalle Erlen. Dies schon seit vielen Jahren. Seit 49 Jahren, um genau zu sein – fast schon ein halbes Jahrhundert also. «Das ist für mich erstaunlich», sagt Gaby Bärtschi, welche so etwas wie die Präsidentin ist. «Wir sind kein Verein», betont sie. Zwar bezahle man einen Beitrag von 100 Franken jährlich, gehe aber keinerlei Vereinsverpflichtungen damit ein. «Vielleicht ist es gerade diese Tatsache, dass wir nur zum Turnen zusammenkommen, aber keine Helfereinsätze leisten müssen an Anlässen», sinniert Bärtschi.

Seit 37 Jahren dabei

So unkonventionell die Gymfit-Runde ist, so unterschiedliche Mitglieder hat sie. «Die Altersstruktur reicht von den Jahrgängen 1945 bis 1975», sagt Gaby Bärtschi. Und die ältesten Aktivmitglieder halten dem Gymfit bereits seit 37 Jahren die Treue. Die 23 Mitglieder bringen es zusammen auf stattliche 387 Mitgliedschaftsjahre, was einen Durchschnitt von fast 17 Jahren ergibt. Was Gaby Bärtschi an der Gymfit-Gruppe so mag, ist die Toleranz jedem Mitglied gegenüber. «Jeder macht so gut mit, wie es für ihn geht. Da wird niemand schief angeschaut, wenn er etwas nicht machen kann.»

Immer was zu lachen

Dass die Frauen sich in der Turnstunde nicht nur fit halten, sondern auch viel Spass haben, zeigt sich im Training deutlich. Wenn auch der Puls einmal schneller geht, bleibt immer noch genügend Luft, um zu lachen.

«Bei uns ist wirklich jeder willkommen, auch wenn man keine gute Turnerin ist. Aber wir machen kein Altersturnen», betont Gaby Bärtschi. «Wir powern oft auch ganz schön – jeder wählt dabei sein eigenes Tempo.»

Einmal im Monat wird unter der Leitung von Heidi Müller mit dem grossen Gymnastikball ein Rückenturnen durchgeführt.

Vom Gymfit begeistert ist auch Katja Züblin. Bereits von 1987 bis 2002 hat sie die Gymfit-Gruppe geleitet. Seit Januar dieses Jahres ist sie wieder als Hauptleiterin eingestiegen. Ihr Engagement begründet die Mutter der Thurgauer Leichtathletik-Stars Linda und Andreas Züblin damit, dass sie von Natur aus ein Bewegungsmensch ist. «Die Freude an der Bewegung gebe ich gerne weiter, weil ich sehe, dass ich etwas bewirken kann. Das macht mich einfach zufrieden.»

Einfallsreiche Leiterin

Kein Training sei gleich, schwärmt Gaby Bärtschi. Eine solch einfallsreiche Leiterin zu haben, sei nicht selbstverständlich. Katja Züblin lacht und sagt: «Die besten Ideen kommen mir beim Putzen. Dann höre ich Musik und denke mir passende Bewegungsabläufe dazu aus.»




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