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Tagblatt Online, 15. Februar 2012 08:21:00

Stadt spielt die regionale Karte

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Noch nicht überbaut: Im Gebiet Gihl können gemäss Zonenplan hauptsächlich Industriebetriebe angesiedelt werden; ein kleiner Teil ist Gewerbezone. (Bild: Georg Stelzner)

BISCHOFSZELL. Im Gebiet Gihl verfügt Bischofszell über rund 20 000 Quadratmeter Bauland. Nachdem sich ausländische Interessenten zurückgezogen haben, hofft der Stadtrat jetzt, Firmen aus der Region dort ansiedeln zu können.

GEORG STELZNER

«Ich bedaure, dass im Gihl keines der beiden Grossprojekte realisiert worden ist; ich war wirklich zuversichtlich», sagt Stadtammann Josef Mattle. Die Kritik, falsche Hoffnungen geschürt zu haben, weist er zurück. Es habe sich keineswegs um Hirngespinste gehandelt. «Die Anfragen waren seriös», betont Mattle (siehe Kasten).

Gegen China chancenlos

Beide Unternehmen aus Deutschland wollten in Bischofszell Komponenten für Solaranlagen herstellen. Gemäss Einschätzung des Stadtammanns sind die Pläne vor allem an Faktoren gescheitert, auf die der Stadtrat keinen Einfluss hatte. So sei in einem Fall die Finanzierung fehlgeschlagen. Das andere Projekt sei an den sinkenden Preisen für kristalline Module, den kleiner werdenden Margen, dem starken Schweizer Franken, den weltweiten Insolvenzwellen und – nicht zuletzt – dem überbordenden Aufbau von Kapazitäten in China gescheitert.

Zeitpunkt für Neuausrichtung

Mattle räumt ein, dass es auch «hausgemachte» Gründe für den Rückzug der Interessenten gegeben habe. Zum einen sei das Bauland sehr teuer, und die Stadt wäre nicht bereit gewesen, sich an den Investitionen zu beteiligen, wie das zum Teil im Ausland üblich sei. Zum andern habe nach dem Nein zur Zonenplanänderung Sulgerstrasse keine Aussicht mehr bestanden, Prozesswärme aus einem Holzkraftwerk zu beziehen. Der Stadtammann ist auch der Meinung, dass die weitverbreitete Abwehrhaltung der Bevölkerung gegenüber Grossprojekten ebenfalls nicht für den Standort Bischofszell gesprochen habe.

Die negativen Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit haben im Stadtrat zu einem Umdenken geführt. «Bischofszell muss sich neu ausrichten», erklärt Mattle. Bedeutet dies, dass der Traum, auf Stadtgebiet grosse Produktionsstätten internationaler Firmen errichten zu können, vorerst ausgeträumt ist? Mattle bejaht diese Frage: «Wir werden künftig in der eigenen Region nach Investoren Ausschau halten.» Der Moment für eine solche Weichenstellung sei jetzt gekommen.

Drei neue Interessenten

Für das Bauland im Gihl interessieren sich laut Auskunft des Stadtammanns derzeit ein Transportunternehmen, ein Pilzzuchtbetrieb und eine Baufirma. Alle drei stammen aus Bischofszell und Umgebung. Realisieren sie ihre Pläne, würde die Hälfte des in Stadtbesitz befindlichen Baulands im Gihl genutzt. Einen Wermutstropfen gäbe es dennoch: So viele Arbeitsplätze wie bei der Inbetriebnahme einer grossen Fabrik entstünden dadurch nicht.





Leser-Kommentare:
2 Beiträge

Kommentare lesen

Ovomaltine (15. Februar 2012, 08:51)
Kopfschütteln

Wie blöd ist eigentlich die B'zeller Bevölkerung... Zuerst sollte Harrods in die Altstadt ziehen, dann eine Hightech-Firma (interessanterweise kam diese Botschaft grad während der Stadtammanwahl... grinsen) Der Stadtammann spuckt immer grosse Töne... Leider kommt nie etwas dabei heraus!!

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Dr.Wander (15. Februar 2012, 11:39)
Gute beobachtet !

Sie merken es nicht oder wollen es nicht merken, schwer zu sagen was es ist.

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